#26
26Es beginnt mit einem Murmeln. Dieser leichten Spannung in der Luft, wenn sich etwas Unerwartetes und zugleich Vertrautes ankündigt – wie das ersehnte Klingeln eines Eiswagens, der bei 35 Grad um die Ecke biegt. Auf der Haut und vor dem inneren Auge: »Summer Renaissance« von Michalis Goumas – Körper im Wasser, schwebend wie in einem Aquarell, präsent und flüchtig zugleich. Aus dieser Bewegung heraus setzt Vicky Krieps ein. Frisch zurück von den Oscars spricht sie über Rollen, die sich entziehen. Über Zustände zwischen Nähe und Distanz. Und darüber, warum Wahrhaftigkeit immer riskanter bleibt als Perfektion. »Auch in Hollywood«, ergänzt Lukas Gage, der längst weiß, wie Aufmerksamkeit entsteht: durch Körperlichkeit, durch Timing – und, wie ihm Pamela Anderson am letzten Set sagte, durch Lebenserfahrung.
Nur wenige Seiten weiter bewegt sich Judith Hermann durch Erinnerungsräume, deren Türen sich nicht schließen lassen. Familie erscheint als Echo, Geschichte als fortdauernde Gegenwart – und irgendwo dazwischen steht die Frage, wem das Schweigen eigentlich gehört. Daniel Libeskind wiederum denkt Räume als Narrative, lebendig und fluide. Architektur wird bei ihm zu etwas, das nicht nur gesehen, sondern erfahren wird. Zwischen Berlin, New York und Erinnerung drängt sich plötzlich eine andere Frage auf: Kann Raum fühlen?
Im Ballett ist Haltung der Ursprung jeder Bewegung. Oder, wie es Christian Spuck, Intendant des Staatsballetts Berlin, formuliert: »Wir können Dinge auch positiv sehen. Auch für andere.« Ein Gedanke, der auch im Interview mit dem Maler und Fotografen Michalis Goumas über sein Geistesblütencover mitschwingt. Ein Körper, der Kontrolle verliert, wirkt auf ihn nicht schwach, sondern menschlich. Im Wasser, sagt er, dürfen Gegensätze gleichzeitig existieren, ohne sich aufzulösen. Vielleicht ist Kunst tatsächlich der eleganteste Weg, Komplexität auszuhalten und Widersprüche nicht auflösen zu müssen.
Emilio Pucci hätte das vermutlich sofort verstanden. Der Florentiner Marchese mit Wurzeln in Neapel führte ein Leben, das selbst abgeklärte Drehbuchautor:innen irgendwann bremsen würden: Torpedobomberpilot, Skiprofi, angeblich Agent. Seine Nichte Idanna Pucci und ihr Mann Terence Ward erzählen, wie der »Prinz der Prints« im Zweiten Weltkrieg sein Leben riskierte, um eines der entscheidenden Dokumente zu den Alliierten zu schmuggeln.
Hal Ebbott schreibt über beste Freundschaft seit der Uni – bis ausgerechnet Tennis zur Belastungsprobe wird. Bei Douglas Stuart wird eine Telefonzelle zur besten Zuschauertribüne. Hans Pleschinski zeigte Mut, als andere noch stumm waren.
Tom Kummer ›spielt‹ Basketball mit einem Diktator. Wayne Koestenbaum beginnt eine Affäre mit einem Rabbi und macht daraus ein intimes Protokoll über Begehren und Projektion. Mario de la Piedra Walter folgt luziden Träumen bis an ihre Grenze – und stößt dort auf das Verschwinden von Bedeutung, genau in dem sich ein Gedicht beim Aufwachen in Luft auflöst.
Im sonnigen Italien versteckt Gabriella Zalapì Nachrichten in Schokolade – damit hat der Entführer nicht gerechnet. Julia Wolf konfrontiert Frauen mit früheren Versionen ihrer selbst. Auf seiner Wolke freut sich River Phoenix über Colin Walsh. Aisling Rawle schickt TV-Prominente für ein Glas Erdbeermarmelade in die Wüste. Kris Lauwerys und Jonas Hain öffnen Denk- und Wahrnehmungsräume. Marceau Millers Unfall war keiner. Die Sammlung von Rolf und Bettina Horn zeigt, wie Sammeln selbst zur Erzählform wird. Marlow Moss fordert ihren Platz zurück. Daniel Stähr warnt vor falschen Propheten.
Zum 100. Geburtstag erscheint Marilyn Monroe nicht als tragische Figur, sondern als Ausnahmetalent zwischen Projektion und Wahrheit – neu ›interpretiert‹ von David Thomson und Lucy Gray, im Licht von André de Dienes, Blick und Gegenblick am Malibu Beach im Jahr 1946. Für Marilyn Monroe war der Ruhm »wie einsam in einem leeren Raum sitzen«.
Und dann: Liza Minnelli. Ein Leben zwischen Bühne und Absturz, zwischen »Cabaret« und Gegenwart.
Dass diese Ausgabe existiert, verdanken wir den Erlebnissen, den Gedanken und der Unterstützung unserer Gesprächs- und Anzeigenpartner:innen. Und unserer Überzeugung, dass ein Magazin mehr sein kann als »eine Landefläche«. Es kann zum Sprung auffordern. Zum Zuhören. Zum Fragen stellen. Weiterfragen. Türen öffnen – ohne je den Weg zu verstellen. Schon gar nicht für jene, die ›uns‹ lesen, unterstützen oder weitertragen.
Unser Dank gilt allen Beteiligten, unseren Partner:innen in Verlagen und Institutionen – und Ihnen, unseren treuen und zukünftigen Leser:innen.
April 2026Magazin bestellen