»Gaea Schoeters, Mark Waschke und 20.000 Elefanten in Berlin«

Manchmal genügt ein Elefant im Raum. An diesem Abend in der Urania Berlin waren es 20.000. Was als Romanvorstellung begann, verwandelte sich schnell in ein Gedankenexperiment von erstaunlicher Wucht. Was passiert, wenn Fiktion gefährlich nah an die Realität rückt? Wenn ein literarischer Einfall – 20.000 Elefanten als politisches „Geschenk“ – unsere Vorstellungen von Verantwortung, Moral, Macht und globalem Denken sprengt? Christian Dunker von Geistesblüten führte durch einen Abend, der Literatur nicht als Wohlfühlzone verstand, sondern als Prüfstand. Gemeinsam mit der flämischen Autorin Gaea Schoeters und dem Schauspieler Mark Waschke wurde »Das Geschenk« seziert, befragt, gelesen und lebendig gemacht. Waschkes Stimme ließ Elefanten aus der Spree steigen, Berlin riechen, hörbar werden und taumeln. Schoeters öffnete den Maschinenraum ihres Romans: von realer Weltpolitik über EU-Normen, Koalitionszwänge und Rechtspopulismus bis hin zu der unbequemen Frage, ob Europa sich zu oft moralisch überlegen fühlt und zu selten die Konsequenzen seines Handelns zu Ende denkt. Immer wieder tauchte er auf, der Elefant, jener vielzitierte, der plötzlich seinen Rüssel wie ein Periskop hob. Schauen wir wirklich global oder blicken wir durch nationale Brillen? Zwischen Kanzleramt und afrikanischem Bauernhof, zwischen Berliner Verwaltung und bedrohten Lebensräumen, zwischen Humor und Ernst entstand ein Gespräch, das sich weigerte, einfache Antworten zu liefern. Es ging um Tieremotionen und politische Rituale, um Elefantenkot und EU-Verordnungen, um Glasdecken und Glass Cliffs, um Humor als Überlebensstrategie und als politische Kraft. Vor allem aber ging es um das Spannungsfeld von lokalem Handeln und globaler Verantwortung und um die Zumutung, diese Spannung auszuhalten. Wer den Abend verpasst hat, kann ihn jetzt nachholen. Der Mitschnitt ist kein bloßes Protokoll, sondern eine Einladung zuzuhören, mitzudenken, zu lachen, zu stolpern und sich von Literatur in Bewegung setzen zu lassen.

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