»Sanditz«
»Sanditz«Lukas Rietzschel
Wäre »Sanditz« eine Serie, würden Sie nach der ersten Folge sagen: „Okay, passiert nicht viel“ – und drei Episoden später sitzen Sie nachts um 2 da und denken: „Verdammt, das ist mein Leben.“
Rietzschel nimmt uns mit in eine fiktive Kleinstadt in der Lausitz – klingt erstmal nach Provinz, ist aber eigentlich ein universelles Setting: Familie, Streit, Liebe, politische Spannungen, das ganze Paket. Weihnachten 2021, Corona hängt wie Nebel in der Luft, und ein ungeimpfter Bruder reicht, um eine Familie komplett auseinanderzudividieren. Klingt bekannt? Eben. Dann cut: DDR, 70er/80er. Kirchen als Safe Spaces, heimlich kopierte Bücher, kleine Akte von Widerstand zwischen Alltag und Anpassung. Keine großen Helden, sondern Leute, die einfach nur versuchen, irgendwie klarzukommen – damals wie heute.
Das Cleverste daran: Der Roman erklärt nichts. Keine moralische Voice-over-Stimme, kein „So musst du das verstehen“. Stattdessen lässt er seine Figuren reden, zweifeln, sich verlieren und wiederfinden. Und plötzlich merkst du: Diese Ost-West-Debatten, diese Stadt-Land-Spannungen, diese Sehnsucht nach „früher war alles besser“ – das ist kein deutsches Spezialthema. Das ist globaler Stoff. »Sanditz« ist messy, widersprüchlich, überladen an Stellen – also ziemlich genau wie die Realität.
1catchAlexandra Polinahttps://geistesblueten.buchkatalog.de/search?q=sanditzbooksZum Buch von ...Lukas Rietzschel»Sanitz«https://geistesblueten.buchkatalog.de/search?q=sanditzhttps://geistesblueten.com/wp-content/uploads/2024/06/sanditz-gebundene-ausgabe-lukas-rietzschel-1.jpeg