»We Burn Daylight«
»We Burn Daylight«Bret Anthony Johnston
Texas, 1993. Die Sonne steht bleiern über dem Land, und in der Luft liegt mehr als nur Hitze – es ist der Geruch von Fanatismus, Angst und bevorstehender Katastrophe. Inmitten dieser Welt, in der die Erwachsenen nur noch Untergang und Unheil sehen, wollen sich zwei Teenager ins Leben und in die Liebe stürzen. Roy, Sohn des örtlichen Sheriffs, trifft auf die kluge und wild entschlossene Jaye. Was er nicht weiß: Sie lebt in einer abgeschotteten Glaubensgemeinschaft, angeführt von einem Mann, der sich selbst »Lamb« nennt und mit Waffen und Bibelversen den Weltuntergang vorbereitet.
»We Burn Daylight« ist ein fesselnder, fiktiver Roman, der sich tief in die Ereignisse rund um die echte Sekte der »Branch Davidians« eingräbt. Bret Anthony Johnston schafft es, historische Realität und emotionale Wucht miteinander zu verweben. Was entsteht, ist ein Roman über Macht und Manipulation, über Eltern, die ihren Kindern nicht mehr zuhören, und über zwei junge Menschen, die nicht bereit sind, ihre Zukunft dem Wahnsinn zu opfern.
Roy und Jaye sind 14. Sie wissen nicht alles, aber sie wissen genug: dass ihre Verbindung echt ist und gefährlich. Während draußen Behörden aufrüsten und Reporter auf Sendezeit warten, wird drinnen gepredigt, gezweifelt, gehungert und gehofft. Die Spannung zwischen ihnen, zwischen drinnen und draußen, zwischen Glauben und Freiheit baut sich auf wie ein Gewitter.
Johnstons Sprache ist präzise, atmosphärisch, eindringlich. Kein Wort zu viel. Keine Szene zu flach. Jeder Satz wirbelt Staub auf. Sein literarisches Können zeigt sich in der Feinheit der Beobachtung, im Wechsel der Perspektiven und durchdachten Struktur. »We Burn Daylight« ist ein Pageturner, eine Lovestory, ein Drama, ein Abgrund. Eine Geschichte, die so wahr wirkt, weil sie emotional genau da hinzielt, wo es weh tut. Und wo es Hoffnung gibt.