»The Wonderful World That Almost Was«
»The Wonderful World That Almost Was«Andrew Durbin
“Any time you want to make love, just ask me.” (Paul Thek)
»The Wonderful World That Almost Was« von Andrew Durbin setzt den schwulen Künstlern Peter Hujar (Fotograf) und Paul Thek (Maler und Bildhauer), auch als Paar, ein gewaltiges Denkmal. Beide starben Ende der Achtziger Jahre an Aids.
Durbins Schreibprozess glich einer verzweifelten Anamnese im Angesicht des Verschwindens. Es war ein Wettlauf gegen die chronologische Erosion, während die ›noch lebenden Archive‹ – unter ihnen die Nachlassverwalter von Paul Thek und Peter Hujar – inmitten der Arbeit verstummten.
Die Aids-Pandemie forderte über den biologischen Tod hinaus einen zweiten, kulturhistorischen Tribut: eine gezielte Damnatio memoriae. In einem Akt posthumer Zensur tilgten viele Eltern die queere Identität ihrer Söhne aus dem meist bürgerlich konnotierten Familiennarrativ, indem sie deren Sterben unter dem Deckmantel ›akzeptabler‹ Ursachen wie Krebs , eines Infarkts oder leider tödlichen Unfalls umdeuteten. Diese »zweite Auslöschung« führte dazu, dass die Œuvres einst gefeierter Künstler in alle Winde zerstreut wurden und wie eine Art Spolia einer untergangenen Epoche und Kultur verloren gingen.
Dank der Weggefährten, die Durbin noch befragen konnte, bleiben die Erinnerungen an Hujar und Thek lebendig. Sein Werk ist das literarische Reliquiar, das die radikale Intimität dieses für die Kunst des 20. Jahrhunderts so maßgeblichen Paares vor der endgültigen Dekonstruktion bewahrt.
Peter Hujars Arbeiten sind bis 28. Juni 2026 im Berliner Gropiusbau zu sehen: »Peter Hujar / Liz Deschenes: Persistence of Vision«
1catchAndrew Durbin fotografiert von Suzannah Pettigrewhttps://geistesblueten.buchkatalog.de/product/4099276460892045324booksZum Buch von ...