»Verlorene Freunde«

»Verlorene Freunde«Donald Windham

Lange stand Donald Windham im Schatten seiner berühmteren Weggefährten Truman Capote und Tennessee Williams. Liest man seine Erinnerungen fragt man sich unweigerlich warum.
In New York, Venedig, in Hotelzimmern, Probenräumen und endloslangen Nächten beobachtet Windham seine Freunde schonungslos und zärtlich. Beim Schreiben, Trinken, Ertrinken, Lügen. Und auf einmal laufen ein exzentrischer D. H. Lawrence, eine verletzliche Tania Blixen und ein erstaunlich sparsamer André Gide durchs Bild. Nichts davon wirkt wie literarischer Klatsch, alles ist geteilte Gemeinsamkeit. Dass Windham selbst nie den Ruhm seiner Freunde erreichte – obwohl sein Debütroman »Dog Star« von Größen wie Thomas Mann, André Gide und Albert Camus geschätzt wurde – verleiht diesem Buch eine leise, fast melancholische Autorität. Er schreibt nicht aus der Pose des Genies, sondern aus der seltenen Perspektive dessen, der geblieben ist, während andere sich verloren haben. Dass Windhams Vermächtnis heute in den hochdotierten Donald Windham–Sandy M. Campbell Literature Prizes an der Yale University weiterlebt, wirkt fast wie eine späte Pointe: Der Mann, der so präzise über das Scheitern von Karrieren und Beziehungen schrieb, ermöglicht anderen ein Jahr ungestörten Schreibens.

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