Die Ausstellung »Zoom In« im Kunstmuseum Bonn ist ein gutes Beispiel dafür, wie konzentriert einzelne künstlerische Positionen wirken können – hier im Fall von Hito Steyerl mit ihrer Installation »Animal Spirits«.
Der Raum wirkt wie eine Mischung aus Naturraum und technologischer Fiktion: Projektionen von Höhlenmalereien treffen auf künstlich beleuchtete Glasgefäße, die wie schwebende Organismen oder Planeten im Raum hängen. KI-gestützte Animationen lassen prähistorische Tierdarstellungen scheinbar lebendig werden – ein starkes Spiel zwischen Ursprung und Zukunft von Bildern.Im Zentrum steht ein Film, der verschiedene Formate mischt: Dokumentation, Animation und Reality-TV-Ästhetik. Darin verhandelt Steyerl aktuelle Themen wie Kryptowährungen, Landwirtschaft und kulturelle Produktion in Krisenzeiten. Der Titel verweist auf den ökonomischen Begriff »Animal Spirits«, geprägt von dem Ökonomen John Maynard Keynes, der emotionale Faktoren wie Angst und Gier als treibende Kräfte wirtschaftlicher Prozesse beschrieb.
Steyerl übersetzt diese Idee in die Gegenwart und verbindet sie mit gesellschaftlichen Spannungen – etwa wenn der Wolf als Symbol für unkontrollierte Konkurrenz und Systemdruck erscheint. Charakteristisch für ihre Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit Technologie, Macht und Bildproduktion. Sie zählt zu den einflussreichsten Stimmen der zeitgenössischen Medienkunst, weil sie nicht nur Bilder zeigt, sondern deren politische und ökonomische Bedingungen gleich mitverhandelt.
Das Kunstmuseum Bonn bietet mit »Zoom In« genau dafür den richtigen Rahmen: eine konzentrierte Begegnung mit einer künstlerischen Position, die komplexe Gegenwartserfahrungen in dichte, sinnliche Räume übersetzt.