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Kiepenheuer & Witsch

Er betritt keine Bühne – er entfacht sie. Daniel Donskoy ist einer dieser seltenen Künstler, die nicht nur spielen, sondern leben, was sie erzählen. Schauspieler, Musiker, Autor, Verführer – ein Multitalent, das lieber riskiert als wiederholt. In der neuen Ausgabe des Geistesblüten Magazin № 25 spricht er exklusiv über Selbstfindung, Nacktheit und die Lust, sich selbst immer wieder neu zu erfinden.
In seinem Debütroman « Brennen » schreibt Donskoy über einen Mann, der sich verliert, um sich zu finden – roh, sinnlich, ungeschminkt. Ein Künstler, der keine Angst hat, Haut zu zeigen, weder körperlich noch seelisch. Der lieber verbrennt, als lau zu bleiben.
»Solange man brennt, lebt man«, sagt er. Und man glaubt ihm jedes Wort.

 

Kiepenheuer & Witsch

Der Audio Verlag

Die ungekürzte Lesung von Constantin Liebs Romandebüt »Wildboden« beweist, wie lebendig und modern ein historischer Stoff erzählt werden kann. Mit den Stimmen von Nina Kunzendorf und Johann von Bülow wird die emotionale Wucht der Geschichte perfekt in Szene setzt. Die Story führt uns ins Jahr 1936 nach Frauenkirch, unweit von Davos. Inmitten der Schweizer Alpen haben sich Erna Schilling und der Maler Ernst Ludwig Kirchner ein neues, gemeinsames Leben eingerichtet. De politische Lage in Deutschland wirft immer dunklere Schatten auf die Idylle. Erna möchte da nicht hineinrutschen und sich überwältigen lassen. Sie wehrt sich, ringt mit der äußeren Gefahr, den inneren Dämonen und kämpft gegen die Morphiumsucht ihres Partners. Drehbuchautor Constantin Lieb stellt die Vergangenheit neben Gegenwart. Nina Kunzendorf und Johann von Bülow sprechen diese Geschichte so eindringlich, dass spürbar wird, wie aus schmerzhaftem Verlust beeindruckende menschliche Stärke wachsen kann.
Noch ganz andere Einblicke in die historische Realität von Ernst Ludwig Kirchner und Erna Schilling geben wir in den »Geistesblüten №27« faszinierende Einblicke. Dort erzählen wir von der schillernde Ménage à trois des Paars mit der Avantgarde-Tänzerin Nina Hard und zeigen einen seltenen Farbholzschnitt Ernst Ludwig Kirchners.

Der Audio Verlag

Jüdisches Museum Berlin

Verpassen Sie nicht die Ausstellung »Between the Lines« im Jüdischen Museum Berlin und unser Interview mit Daniel Libeskind im Geistesblüten Magazin № 26.
Wir wollten auch von ihm wissen:

GEISTESBLÜTEN       Dear Daniel Libeskind

Imagine our meeting in Geistesblüten were the opening scene of a series with fast cuts and sweeping camera shots about ideas that change our cities. The camera flies over Berlin, New York, Shanghai. Somewhere one of your buildings appears and a voice says: Daniel Libeskind does not build houses. He builds stories. If you could comment on that moment yourself, how would you explain why architecture can be a story people do not just see but actually feel?

DANIEL LIBESKIND                 That’s a good question. Architecture is, of course, an object – in space and in time. When it comes to an interesting architectural work, it has more layers than just its own appearance. And that, of course, has to do with an unfolding narrative – one that is not only visual but also emotional—as you walk and look. And so, every magnificent building has always been a kind of book, filled with countless stories and just as many layers of meaning.

Jüdisches Museum Berlin

Der Audio Verlag

Wer »Anton und Alma« von Dana Vowinckel noch nicht gehört hat, verpasst gerade eines der lebendigsten literarischen Highlights der Saison! Der Roman steht völlig zurecht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Maria Wördemann und Pascal Houdus haben ihn im Audio Verlag als Hörbuch eingelesen. Christian Dunker von den Geistesblüten ist von ihrem mitreißenden Sound ganz geplättet. Auf der Shortlist-Veranstaltung in der Urania verriet er, wie begeistert er von Danas Ohren ist. Seine Begründung ist so simpel wie genial: Bei ihr reden die Charaktere nicht wie künstliche Figuren, die manchmal durch Romane geistern, sondern wie echte Menschen – mit all ihren pochenden Wünschen, tiefen Unsicherheiten und großen Hoffnungen. Dana Vowinckel fängt den Puls der Gegenwart, Klassenunterschiede und jüdische Identität im modernen Berlin so gekonnt und gehaltvoll ein, dass man gar nicht weghören kann.

Der Audio Verlag

Hanser Verlag

Der Unternehmer David weiß, dass sein Verstand ihm nicht mehr lange zuverlässig gehorchen wird. Mit seinem Assistenten Cody an seiner Seite reist er Richtung Schweiz, macht Station in London und trifft seine erwachsene Tochter. Während die Gegenwart immer rätselhafter wird, drängen Kindheitserinnerungen zurück. Emma Cline zieht uns in den Kopf eines Mannes, dessen Welt langsam auseinanderfällt – und macht daraus einen hypnotischen Roman über Erinnerung, Alter und Identität.

Emma Cline lebt in Kalifornien und wurde für ihr Schreiben vielfach ausgezeichnet. Mit »The Girls«, »Daddy« und »Die Einladung« hat sie sich als eine der prägnantesten amerikanischen Gegenwartsautorinnen etabliert.

Hanser Verlag

Pfaueninsel

Kommen Sie mit auf die Pfaueninsel!

Einst war die Insel in der Havel ein Sehnsuchtsort der preußischen Kurfürsten und Königinnen. Berliner legen dort an, wenn sie der Hektik der Großstadt entfliehen wollen. Touristen lieben diesen verwunschenen Ort, an dem bis heute Pfauen über die Wiesen spazieren und man fernab des Alltags träumen kann.

Constanze Neumann und ihr Team öffnen mit ihrem gleichnamigen Verlag den Blick für Stimmen aus aller Welt.
Mit herausfordernden Romanen und erzählenden Sachbüchern.

Die ersten Bücher erscheinen im Frühjahr 2026

Pfaueninsel

Komische Oper

Treffen wir uns in den Geistesblüten und gehen in die Komische Oper?

Komische Oper

Auf Partnersuche? Geistesblüten App!

Geben Sie’s zu! Ohne Handy oder Tablet gehen Sie fast nie aus dem Haus. Nehmen Sie uns doch mit! Denn was sucht man, wenn man sich nach einem Partner fürs Leben umschaut? Schöne Erlebnisse! Wir helfen gern und vertreiben Ihnen am Flughafen oder in Bus und Bahn die Zeit, und auch sonst sind wir mit der Geistesblüten App gern Ihr ständiger Begleiter. Einer hakt sich rechts ein, einer links und schon beflügeln wir mit dem Geistesblüten Infotainment und Onlineshop Ihre wertvolle Freizeit.

Auf Partnersuche? Geistesblüten App!

Bach-Chor Berlin

»Die Musik ist eine höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie«, wusste Johann Sebastian Bach. Samstag, 18 Uhr in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, alle vierzehn Tage öffnet sich hier ein Ort der Ruhe, Versöhnung und Inspiration für ein Musikereignis, das einzigartig ist: die liturgiegerechte, zyklische Aufführung des kompletten geistlichen Kantatenwerks Johann Sebastian Bachs. Nur wenige Orte auf der Welt bieten dieses Erlebnis.

Der Bach-Chor Berlin lässt diese Musik lebendig erklingen. Etwa 70 Sängerinnen und Sänger tauchen tief in Bachs Klangwelt ein und verwandeln jeden Gottesdienst in ein intensives, spürbares Erlebnis. Zwei weitere Konzerte im Jahr widmen sich Passionen, Oratorien und A-cappella-Werken von der Renaissance bis in die Gegenwart. Jedes Programm bringt den Klang der Musik in den Raum, öffnet Sinne und schafft eine besondere Atmosphäre.

Seit 2002 leitet Achim Zimmermann Chor und Collegium. Mit feinem Gespür für Ausdruck, Dynamik und Klangqualität gestaltet er jede Aufführung so, dass die Musik klar und unmittelbar erfahrbar wird. Tradition und zeitgenössische Interpretation stehen gleichwertig nebeneinander, sodass jede Aufführung die Zuhörer berührt und in Erinnerung bleibt.

Bach-Chor Berlin

Rowohlt Verlag

Warum scheitern so viele Menschen im klassischen Familienalltag, während alternative Lebensmodelle im echten Leben oft an der Realität zerbrechen? Mareike Fallwickl wirft in ihrem Roman »Haltet euch fest« eine brennende Fackel in diese Debatte und liefert eine treffsichere, rasant erzählte Abrechnung mit dem Beziehungs-Establishment. Im Mittelpunkt steht eine eingeschworene Hausgemeinschaft, die platonische Liebe, geteilte Elternschaft und ein Leben abseits starrer Rollenbilder feiert – bis ein verheerendes Unwetter diese Zuflucht bedroht. Diese literarische Gesellschaftsanalyse geht unter die Haut, blickt hinter die Fassaden unserer Sehnsüchte und trifft genau den Nerv all jener, die tiefe, unkonventionelle Bindungen über das traditionelle Korsett stellen. Es ist ein packender, ungeschönter und absolut mitreißender Weckruf für ein neues Miteinander, das die Erwartungen des Kulturbetriebs links liegen lässt und stattdessen die kompromisslose Solidarität feiert.

 

 

Rowohlt Verlag

Kiepenheuer & Witsch Verlag

»Die Welt in ihren Händen« von Olivier Guez ist ein historischer Roman über Macht, Karten und Entscheidungen, die bis heute nachwirken.

Im Mittelpunkt steht Gertrude Bell, eine Schlüsselfigur bei der politischen Neuordnung Mesopotamiens nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches. Sie arbeitete als Archäologin und politische Beraterin für die britische Verwaltung und war an der Konstruktion dessen beteiligt, was später der Irak wurde.

Olivier Guez, bekannt für seine präzise historische Prosa und seinen Roman »Das Verschwinden des Josef Mengele«, verbindet hier Recherche und erzählerische Verdichtung. Er zeigt Bell als Figur zwischen Wissenschaft, Politik und kolonialer Machtlogik.

Der Roman macht deutlich, dass die Grenzen des modernen Nahen Ostens nicht gewachsen, sondern geplant wurden. Entscheidungen von Diplomaten und Beratern ersetzten geografische oder kulturelle Linien.Guez schreibt über diese Vorgänge klar und ohne Verklärung. Er interessiert sich für die Mechanik hinter Geschichte und für die Menschen, die sie formen.

»Die Welt in ihren Händen« ist damit kein Abenteuerroman, sondern eine präzise Erzählung darüber, wie Weltordnung entworfen wird und welche Folgen solche Entwürfe haben.

Kiepenheuer & Witsch Verlag

Prestel Verlag

George Harrison zertrümmert mit »The Third Eye«, flankiert von Colm Tóibíns messerscharfem Essay, den verstaubten Altar des Rock-Establishments und liefert ein fieberhaftes, unverschämt intimes Dokument des Überlebens im Auge des Pop-Hurrikans. Durch die Linse seiner Pentax-Kamera blickt der vermeintlich stille Beatle direkt in die glamouröse, laszive Dynamik einer Ära, entschlüsselt die intensive Männlichkeit des globalen Starkults und offenbart die Erschöpfung, den Hedonismus und die tiefe spirituelle Kameradschaft der Fab Four. Dieser visuelle Trip triggert die Musikwelt mit einer rohen Ehrlichkeit, während der radikale, unangepasste Vibe dieser unbewachten Backstage-Momente selbst eingefleischten Traditionalisten das System komplett neu bootet. Es ist das ultimative Manifest einer Pop-Ikone, die sich vom belächelten Sidekick zum visionären, spirituellen Alphatier der Musikgeschichte emanzipiert hat – eine sexysmarte, hypnotische Hymne auf die Transzendenz, die beweist, dass die Magie dieses popkulturellen Urknalls auch immer in den unzensierten, wilden Momenten abseits der großen Bühne lebte.

Prestel Verlag

Assouline

Mit uns können Sie Ihre Bibliothek erweitern.
Jetzt auch mit der Library Collection von Assouline.

Die Kerzen duften nach Leder, Nelke, Amber und Tabak. Warm, geheimnisvoll, wie ein Raum voller Geschichten.
Tief, sinnlich, fast wie ein Flüstern. Frisch, lebendig, überraschend in einer Kombination aus Zitrus, Rum und Sandelholz.

Genießen Sie den Augenblick. Spüren Sie, dass alles andere warten kann.

Bis wir uns wiedersehen am Walter-Benjamin-Platz oder auf geistesblueten.com.

Assouline

Kunstmuseum Bonn

Die Ausstellung »Zoom In« im Kunstmuseum Bonn ist ein gutes Beispiel dafür, wie konzentriert einzelne künstlerische Positionen wirken können – hier im Fall von Hito Steyerl mit ihrer Installation »Animal Spirits«.

Der Raum wirkt wie eine Mischung aus Naturraum und technologischer Fiktion: Projektionen von Höhlenmalereien treffen auf künstlich beleuchtete Glasgefäße, die wie schwebende Organismen oder Planeten im Raum hängen. KI-gestützte Animationen lassen prähistorische Tierdarstellungen scheinbar lebendig werden – ein starkes Spiel zwischen Ursprung und Zukunft von Bildern.Im Zentrum steht ein Film, der verschiedene Formate mischt: Dokumentation, Animation und Reality-TV-Ästhetik. Darin verhandelt Steyerl aktuelle Themen wie Kryptowährungen, Landwirtschaft und kulturelle Produktion in Krisenzeiten. Der Titel verweist auf den ökonomischen Begriff »Animal Spirits«, geprägt von dem Ökonomen John Maynard Keynes, der emotionale Faktoren wie Angst und Gier als treibende Kräfte wirtschaftlicher Prozesse beschrieb.

Steyerl übersetzt diese Idee in die Gegenwart und verbindet sie mit gesellschaftlichen Spannungen – etwa wenn der Wolf als Symbol für unkontrollierte Konkurrenz und Systemdruck erscheint. Charakteristisch für ihre Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit Technologie, Macht und Bildproduktion. Sie zählt zu den einflussreichsten Stimmen der zeitgenössischen Medienkunst, weil sie nicht nur Bilder zeigt, sondern deren politische und ökonomische Bedingungen gleich mitverhandelt.

Das Kunstmuseum Bonn bietet mit »Zoom In« genau dafür den richtigen Rahmen: eine konzentrierte Begegnung mit einer künstlerischen Position, die komplexe Gegenwartserfahrungen in dichte, sinnliche Räume übersetzt.

 

 

Kunstmuseum Bonn

Philharmonie Berlin

Seit der Saison 2019/20 ist Kirill Petrenko Chefdirigent und künstlerischer Leiter der Berliner Philharmoniker. Als Kind einer Musikerfamilie – der Vater Konzertmeister, die Mutter Dramaturgin – stand für Kirill Petrenko quasi von Geburt an fest, dass auch er Musiker, ja Dirigent werden sollte und bereit war, zur Entfaltung seiner hohen Begabung viel auf sich zu nehmen. Mit gerade mal 18 Jahren ging es von Omsk nach Feldkirch, vom dortigen Konservatorium an die Musikuniversität in Wien, vom Abschlusskonzert direkt als Repetitor und Kapellmeister an die Wiener Volksoper. Vor 25 Jahren kam dann der Ruf als Generalmusikdirektor ans traditionsreiche Meininger Theater und damit auf Jahre hinaus zunächst eine Laufbahn als Operndirigent. In drei Städten war Kirill Petrenko musikalischer Leiter von Opernhäusern, das Musiktheater stand bislang unzweifelhaft im Zentrum seines Wirkens – obwohl sein Berufswunsch anfangs eigentlich der Symphonik gegolten hatte. Doch der Fachwechsel innerhalb des Metiers war ein Zufall, der sich als Glücksfall erwies. Auf der Seite der Berliner Philharmoniker finden Sie nicht nur das kommende Programm und die Möglichkeit, Tickets zu kaufen. Sie erfahren auch viel über den Werdegang der einzelnen Mitglieder der Berliner Philharmoniker, zur Orchestergeschichte, zur Stiftung und gastierenden Ensembles.

Philharmonie Berlin

Hoffmann und Campe

Auf welche Weltordnung steuern wir zu? Die liberale Demokratie steckt in der Krise, nach einer langen Phase der Demokratisierung sind wir wieder in einer Welt der Macht angelangt, bedingt vor allem durch autoritäre Bewegungen, technologischen Wandel, Neoliberalismus und Identitätspolitik. Mit seinen Gedanken zur Lage der Welt zeigt Francis Fukuyama, warum das freiheitliche Denken für die westlichen Gesellschaften im 21. Jahrhundert alternativlos ist. Vor allem aber macht er deutlich, warum wir für die Freiheit kämpfen müssen, wollen wir ihr Überleben sichern und das Risiko einer autoritären Weltordnung eindämmen. Ein inspirierend persönliches Buch mit politischer Weitsicht, von einem der einflussreichsten Denker unserer Zeit.

Hoffmann und Campe

Nagel und Kimche

Klára Vlasáková injiziert uns mit »Die Kugel« eine unterkühlte, beängstigende Dosis purer Zukunft, die sich wie ein metallischer Fremdkörper im eigenen Schlund festsetzt. Wenn ein gigantisches, unbewegliches Objekt lautlos über der tschechischen Provinz materialisiert, antwortet das Spätkapitalismus-Establishment erst mit ohnmächtigem Achselzucken – bis der absolute Kontrollverlust einbricht. Vlasáková entwirft das radikale, beklemmend zeitlose Porträt einer Gesellschaft, die kollektiv in den Bann obskurer Kugel-Prediger gerät, während eine Tochter der Familie nach Berührung des Objekts in einen unnatürlichen, komatösen Tiefschlaf gleitet. Es ist das ultimative literarische Update für das digitale Zeitalter: Ein fieberhafter, erdrückender Albtraum aus totaler Entfremdung, Endzeitstimmung und sektenhafter Massenhysterie, der die absolute Hilflosigkeit des Individuums mit einer solchen kinetischen, surrealen Wucht beschreibt, dass einem beim Lesen die Nackenhaare hochstehen und der Puls unwillkürlich in die Höhe schießt.

Nagel und Kimche

Schaubühne am Lehniner Platz

Sie wollen gutes Theater und Schauspieler:innen von jedem Platz ganz aus der Nähe erleben, dann sind Sie in der Schaubühne ums Eck der Geistesblüten am Ku´damm richtig.
Etwa 30 Schauspieler:innen gehören zum festen Ensemble. Im Repertoire haben sie sowohl Titel der dramatischen Weltliteratur als auch die Gegenwarts-Dramatik international anerkannter Autor:innen (u.a. vom Literaturnobelpreisträger 2023 Jon Fosse).Pro Spielzeit bringt die Schaubühne etwa zehn neue Aufführungen zur Premiere. Dazu kommen jährlich etwa hundert Vorstellungen im Ausland: sowohl bei den großen internationalen Festivals wie Avignon, den Salzburger Festspielen, dem Festival Athen und Epidauros, dem Brandhaarden Festival, Amsterdam oder dem BITEF-Festival, Belgrad als auch im Rahmen von Gastspielen an Theatern in aller Welt, u. a. in New York, Paris, Amsterdam, Rom, Quebec, São Paulo, London, Oslo, Ramallah, Melbourne, Ottawa, Taipeh, Tel Aviv, New Delhi, Seoul, Rennes, Barcelona, Adelaide, Tokio, Prag, Sydney, Montreal oder Peking.
Seit 1999 ist Thomas Ostermeier Mitglied der Künstlerischen Leitung der Schaubühne, seit 2009 ist er Künstlerischer Leiter. In regelmäßigen Gesprächsreihen, unter anderem mit Carolin Emcke, Heinz Bude und Vanessa Vu, verfolgt das Team der Schaubühne das Ziel, aktuelle Diskurse aufzunehmen und gesellschaftliche Entwicklungen kritisch zu hinterfragen.

Schaubühne am Lehniner Platz

Kunsthaus Dahlem

Berlin 1930, die Flucht nach London 1939: Eva Frankfurther wächst in den Extremen des 20. Jahrhunderts auf. Von 1946 bis 1951 studiert sie an der St. Martin’s School, doch der etablierte Kunstbetrieb langweilt sie schnell. Auf der Suche nach dem echten Leben zieht es sie nach Whitechapel im Londoner East End, einem Schmelztiegel für Einwanderer. Sie schuftet in der Abendschicht als Verkäuferin im Lyons Corner House und einer Zuckerraffinerie, um sich tagsüber die Freiheit zum Malen zu erkämpfen. Inspiriert von Rembrandt, Käthe Kollwitz und Picasso fängt sie die pulsierende Energie ihres Viertels ein. Sie dokumentiert die neuen Communities der Westinder, Zyprioten und Pakistaner. Ob bei der Arbeit oder in der Freizeit: Sie gibt ihnen Empathie und unerschütterliche Würde zurück. Das ist ihr wahres Lebenswerk. Zwischen 1948 und 1958 treibt sie das Fernweh durch ganz Europa. In Briefen nach Hause hält sie die Begegnungen mit Kunst und Menschen lebendig fest. Nach acht Monaten in Israel kehrt sie im Oktober 1958 nach London zurück. Nur drei Monate später endet ihr Leben viel zu früh: Geplagt von Depressionen nimmt sich die Künstlerin mit achtundzwanzig Jahren das Leben. Was bleibt, ist ein eindrucksvolles, tief vom Mitgefühl für die arbeitende Klasse geprägtes Werk.

Jetzt feiert diese faszinierende Künstlerin im Kunsthaus Dahlem eine Premiere: Erstmalig werden ihre sensiblen Porträt- und Milieustudien in einer Einzelausstellung in Deutschland präsentiert. Über 40 Grafiken und Gemälde zeigen das enorme zeichnerische Talent und die präzise Beobachtungsgabe einer Frau, die ihrer Zeit voraus war.

Kunsthaus Dahlem

dtv

Früher nannte man so etwas wohl eine scharfzüngige Gesellschaftssatire, aber heute fühlt sich »Fiasko« von Tony Tulathimutte eher an wie ein ungefilterter, verdammt unterhaltsamer Gruppenchat, den man heimlich im Darknet mitliest. Der US-Autor schickt in sieben bitterkomischen, rasanten Episoden eine Truppe von chronisch online Gestrandeten – von selbsternannten Feministen, die tief in die Incel-Szene rutschen, bis hin zu beziehungsunfähigen Großstadt-Misfits – in eine rücksichtslose Abwärtsspirale aus Dating-Apps und totaler digitaler Selbstzerstörung. Das ganze Buch hat das rücksichtslose Binge-Potential einer hochklassigen Netflix-Serie, bei der man nach jeder Folge sofort weiterschauen muss, obwohl das moralische Fehlverhalten der Figuren eigentlich nur noch wehtut. Es ist der ultimative, schockierende Spiegel für eine Generation, die komplett im Internet lebt, süchtig nach Anerkennung ist und am Ende doch nur die absolute, peinliche Zurückweisung erntet.

dtv

S. Fischer Verlage

Mit »Unsere leuchtenden Jahre« gelingt Lynn Cullen ein tiefgründiger und glanzvoller Roman über eine außergewöhnliche Allianz im New York der 1950er Jahre. Im goldenen Zeitalter des Fotojournalismus kämpft sich Eve Arnold als erste Frau in die elitäre Riege der Fotoagentur Magnum, während Marilyn Monroe als Weltstar im Image des naiven Blondchens gefangen ist. Aus der Begegnung der beiden Außenseiterinnen entsteht ein tiefes Vertrauensverhältnis und ein Pakt zwischen zwei Pionierinnen, die sich in einer von Männern dominierten Welt gegenseitig Halt geben. Lynn Cullen wählt bewusst den weiblichen Blick, um Marilyn abseits der gängigen Klischees als komplexe, talentierte und kämpferische Frau zu zeigen. Das Buch ist eine berührende Hommage an weibliche Ambition und eine Freundschaft, die das Leben beider Frauen radikal veränderte.Diese besondere Perspektive blickt tief in die Seele einer Ikone.

In den »Geistesblüten №26« zeigen wir Marilyn Monroe ebenfalls nicht als tragische Figur, sondern als Ausnahmetalent zwischen Projektion und Wahrheit. Neu ›interpretiert‹ von David Thomson und Lucy Gray, erscheint sie dort im Licht von André de Dienes, im Wechselspiel von Blick und Gegenblick am Malibu Beach im Jahr 1946. Für Marilyn Monroe selbst war der Ruhm, wie sie einmal treffend beschrieb, »wie einsam in einem leeren Raum sitzen«.

S. Fischer Verlage

MoMA

Die Ausstellung »Face Value« im MoMA ist eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit der frühen Konstruktion von Celebrity-Bildern im Hollywood-System des 20. Jahrhunderts.

Sie zeigt, wie Studios Schauspieler:innen durch stark inszenierte Porträts als Glamour-Ikonen formten – lange bevor digitale Bildbearbeitung oder Social Media existierten. Statt dokumentarischer Fotos entstanden kontrollierte Bilder, die gezielt für die Öffentlichkeit gestaltet wurden.Besonders spannend ist, wie weit die analoge Manipulation ging: Retusche, Maskierung, Collage und inhaltliche Eingriffe machten aus Fotos idealisierte Figuren. Diese Eingriffe betrafen nicht nur Stars, sondern auch Politiker, Sportler und gesellschaftliche Persönlichkeiten.

Ein wichtiger historischer Bezugspunkt ist die Arbeit von Iris Barry, die früh erkannte, dass neben Filmen auch die Bildarchive der Popkultur bewahrt werden müssen. Ihre Initiative führte zur Sammlung von Fanmagazinen wie Photoplay, die die visuelle Kultur des Ruhms entscheidend geprägt haben.Unter den über 60 vertretenen Positionen findet sich auch Andy Warhol, der später selbst die Mechanismen von Wiederholung und Prominenz reflektierte.

Im MoMA wird damit deutlich: Celebrity war nie „authentisch“, sondern immer schon ein bearbeitetes Bildsystem. Die Ausstellung wirkt dadurch überraschend aktuell, weil sie die Wurzeln heutiger Bildoptimierung sichtbar macht.

MoMA

Städel Museum

Hatten Sie sich schon früher im Städel das Gefühl, vieles sei zu schön um wahr zu sein? Dann lassen Sie sich auf dieses Spiel zwischen Realität und Illusion jetzt richtig ein. Das Künstlerduo Elmgreen & Dragset hat die umfassende Sammlung des Hauses nicht neu gehängt, sondern den Exponaten ihre Perspektive gegeben. Manchmal von der Decke hängend, ein anderes Mal aus Kinderaugen oder im Vitaminrausch.
Sie werden Augen machen. Also nix wir hin!!

Städel Museum

Urania Berlin

Schon vor über 135 Jahren verstanden die Gründer:innen der Urania, dass wissenschaftliche Erkenntnisse möglicherweise für Schwellenangst sorgen können. Frei nach der Devise »Ängste machen eng, Wissen schafft Zugang« gründeten sie einen Ort für interessierte Laien. Alexander von Humboldt war mit seinen öffentlichen »Kosmos-Vorlesungen« einer der ersten Impulsgeber, der einem breiten Publikum versiert unterhaltsam vermittelte, dass nicht alles, was sparkelt unerreichbar ist.
Die Urania bietet Veranstaltungen für alle Altersgruppen an. Zum Programm gehören allgemeinverständliche Vorträge zu aktuellen Fragen aus Wissenschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft. Aktuelle Reihen um komplexe und interdisziplinäre Themen zu vertiefen heißen: bzw.:Beziehungswesen, Homo Ludens, StadtNaturOnTour und Tomorrow:jetzt.

Urania Berlin

C.H.Beck

Er war die pure Extase auf der Bühne, ein musikalischer Freigeist in hautengen Overalls und Lederkombinationen, der im Juli 1985 beim Live Aid Konzert im Wembley Stadion die zwanzig Minuten der besten Liveperformance aller Zeiten ablieferte. Freddie Mercury bewegte sich grenzenlos zwischen Rock und Oper, während er als Frontmann von Queen Musikgeschichte schrieb. Doch hinter der gewaltigen Stimme des genialen Sängers steckte ein hoch sensibler, suchender Mensch. Wenn er 1976 in »Can anybody find me somebody to love« nach Liebe flehte, war das keine rhetorische Frage, sondern der emotionale Schrei eines Mannes auf dem harten Weg zu sich selbst.

Genau diesen verletzlichen Künstler zeigt das Buch »Ein Leben in Songs«. Seine langjährige Freundin, frühere Verlobte und lebenslange Vertraute Mary Austin hat diese innige Verbundenheit nun in Buchseiten geschnürt. Sie beweist, dass sein ganzes Leben in seinen Liedern stattfand. Der Band zeigt faszinierende Autographen und lose Notizzettel, wie die der Fluggesellschaft British Midland. Auf diese kritzelte Mercury mit Bleistift Textzeilen und Akkorde für das Meisterwerk »Bohemian Rhapsody«, das ursprünglich einmal »Mongolian Rhapsody« heißen sollte. Mary Austin gewährt Einblicke in den privaten Alltag hinter dem Superstar-Image und zeigt den tiefen Auswahlprozess seiner Arbeit. Sie war von Anfang an dabei, als sie der Band zu Beginn scherzhaft den Namen Build your own boat vorschlug und Freddie nur lächelnd schwieg.

C.H.Beck

btb Verlag

Zehn Frauen und zehn Männer machen freiwillig bei einer Gameshow mit, die ihnen Luxus, Ruhm und ein besseres Leben verspricht. Sie wissen, dass sie beobachtet werden. Sie wissen, dass es Regeln gibt. Was sie nicht wissen: wie radikal diese Regeln ihr Denken, ihr Begehren und ihre Moral auf den Kopf stellen sollen.

Sie dürfen nichts Privates über sich erzählen. Nichts über ihre Herkunft, ihre Vergangenheit oder Pläne. Jeder Verstoß wird bestraft. Ihre Identität wird gelöscht. Anfangs sind die Frauen in dem exklusiven und doch halb verfallenen Anwesen mitten in der Wüste unter sich. Es gibt weder Handys noch Uhren, kein Papier, keine Stifte. Statt nur rumzuhängen, räumen die Frauen auf. Sie putzen, kochen, stylen sich, machen sich bereit. Für wen genau, wissen sie noch nicht. Tage später treffen die Männer ein. Sie kommen aus der Wüste. Ihre Körper sind verschrammt, ihre Lippen verbrannt. Einige haben blaue Flecken. Als hätten die Männer den ersten Akt des Spiels bereits hinter sich, nur ohne Publikum.

Von da an gilt: Wer nachts allein schläft, ist bei Sonnenaufgang verschwunden. Wer seine Aufgaben erfüllt, bekommt etwas: Ein Glas Erdbeermarmelade. Eine Couch. Ein Morgenmantel. Die Belohnungen sind lächerlich klein und zugleich existenziell. Aisling Rawle entwirft ein Szenario zwischen Reality-TV, Dystopie und Gesellschaftslabor, in dem Menschen bereit sind, andere zu opfern, wenn »Das Spiel« es verlangt.  Exklusives Interview mit der Autorin Aisling Rawle im Geistesblüten Mag №26.

btb Verlag

Hamburger Bahnhof

Sprache und Wahrheit neu erleben

Die in Mumbai lebende Künstlerin Shilpa Gupta (Preisträgerin des Possehl-Preises 2025) ist bekannt für ihre packenden Werke, die untersuchen, wie wir Informationen teilen oder unterdrücken. Im Zentrum ihrer Berliner Schau steht die monumentale Installation TRUTH: Wer durch die riesigen Buchstaben wandert, spürt direkt, wie zerbrechlich und umkämpft unsere Wahrheit heute ist.

Ihre Arbeiten treten dabei in einen faszinierenden Dialog mit Werken von Joseph Beuys. Beide eint der Fokus auf Sprache und soziale Reflexion. Als Highlight zum 30-jährigen Jubiläum des Hamburger Bahnhofs feiert die Ausstellung den offenen Austausch, der das Museum seit seiner Gründung prägt. Nach Stationen in London und New York bringt Gupta nun ihre multidisziplinäre Kunst – von Skulptur bis Performance – direkt in den Hamburger Bahnhof nach Berlin.

Hamburger Bahnhof

DuMont Verlag

Wenn Sie nach der Lektüre von Yang Shuang-zis »Das Taiwan-Tagebuch« nicht sofort den nächsten Flug nach Taipeh buchen wollen, haben Sie beim Lesen wahrscheinlich die kulinarischen Passagen übersprungen. Der frisch mit dem International Booker Prize ausgezeichnete Roman ist keine trockene Geschichtsstunde, sondern ein echter Roadtrip für die Sinne. Wir springen zurück ins Jahr 1938 und reisen mit einer jungen japanischen Autorin durch Taiwan. Sie hat absolut keine Lust auf steife offizielle Empfänge, dafür aber einen riesigen Heißhunger auf das echte Leben. Zusammen mit ihrer einheimischen Dolmetscherin stürzt sie sich ins Abenteuer, schaut hinter die Kulissen der Kolonialzeit und fängt auf malerischen Zugfahrten quer über die Insel die Seele des Landes ein. Internationale Kritiker sind sich einig: Das Buch ist wunderbar verspielt, klug und liest sich mit einer mitreißenden Leichtigkeit.

Das ganz große Highlight, von dem Rezensenten weltweit schwärmen, ist das Essen. Die Beschreibungen von brutzelndem Schweinefleisch mit Reis oder süßem Wintermelonentee sind so lebendig, dass einem beim Lesen unweigerlich das Wasser im Mund zusammenläuft. Die Garküchen und wuselnden Straßenmärkte werden hier zum Tor in eine völlig andere Welt. Das Buch fängt den lebendigen Puls und den Alltag in Taiwan so meisterhaft ein, dass man die exotischen Düfte förmlich in der Nase hat.

DuMont Verlag

Diogenes Verlag

Vergessen Sie psychologische Dauer-Schocktherapie und effektheischende Action. Peter Grainger beweist mit seiner Krimireihe aus Norfolk, dass die packendste Spannung in den Zwischentönen liegt: in der akribischen Rekonstruktion menschlicher Abgründe und der unbestechlichen Suche nach echter Gerechtigkeit. Es ist die perfekte, moderne Evolution des klassischen Whodunit, getragen von einer eleganten, fast jazzigen Melancholie und Dialogen, die sitzen wie maßgeschneiderte Anzüge. Wer einmal die Polizeistation von Kings Lake betritt, will dieses Team nie wieder verlassen.

Diogenes Verlag

Jetzt geht es App

Lesen endet nicht im Buch. Es beginnt dort.

Mit der Geistesblüten App wird Literatur zur Erfahrung, die verbindet, inspiriert und überrascht.

Buch-Empfehlungen mit Substanz.
Podcasts und Filmtalks, die neue Perspektiven öffnen.
Mit wenigen Swipes: Lesungen und Events im Blick.
Lieblingsbücher bestellen, Neuentdeckungen finden.

Autorinnen und Autoren wie Olga Grjasnowa, Joachim Meyerhoff oder Arne Dahl – nicht fern, sondern mitten im Wohnzimmer.

Geistesblüten ist Buchhandlung, Plattform und Community zugleich.
Kostenlos im App Store und bei Google Play.

Jetzt geht es App

Villa Grisebach

In der Berliner Fasanenstraße agiert das Auktionshaus Grisebach mit einer Mischung aus Marktpräzision und kunsthistorischem Feingefühl. Die Villa wird vor den Auktionen zum temporären Museum, in dem Werke des 19. bis 21. Jahrhunderts, Photographie und ausgewählte Objekte in konzentrierten Dialog treten. Sammler schätzen die Verbindung aus Expertise, persönlicher Beratung und internationaler Reichweite.

Die Sommerauktionen 2026 versprechen erneut ein Panorama zwischen Klassischer Moderne und Gegenwart. Liveauktionen und digitale Formate greifen ineinander, wodurch sich lokale Atmosphäre und globale Bietdynamik produktiv ergänzen. Über 250.000 Interessierte weltweit verfolgen jährlich die Präsentation der Werke online wie offline.

Jüngste Ergebnisse mit Positionen von Paula Modersohn-Becker, Günther Uecker, Andy Warhol und Neo Rauch zeigen, wie selbstverständlich historische Autorität und zeitgenössische Relevanz verzahnt werden. Individuelle Betreuung, diskrete Ankäufe und fundierte Provenienzforschung bilden dabei das Vertrauensfundament, auf dem sich Einlieferer und Käufer gleichermaßen bewegen.

Villa Grisebach

Unserem Freund und »Ehrenmitglied«

Rosa von Praunheim lebt nicht mehr. Und doch fühlt es sich an, als würde er uns gleich in den Geistesblüten besuchen. Mehrmals in der Woche kam er angeradelt, parkte seinen Chopper zwischen zwei Säulen und schloss nie ab. Vertrauenssache. Bücher verschlang er und wollte sofort darüber reden. Zeit verschwenden durfte niemand, obwohl er für andere immer reichlich davon übrig hatte. Ohne Vorrede stellte er Fragen, einige auf den Unterleib, die meisten auf den Kopf.
Geboren als Holger Radtke in Riga, wählte er den Namen Rosa von Praunheim als Erinnerung an den Rosa Winkel und seine Kindheit in Frankfurt. Sein Leben und Werk waren geprägt von Neugier, Provokation und dem Mut, gesellschaftliche Konventionen zu hinterfragen. Mit »Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt« veränderte er 1971 die deutsche Öffentlichkeit und wurde zur Leitfigur der Schwulenbewegung. In den 1980er Jahren kämpfte er mit Filmen wie »Schweigen = Tod« gegen die Aids-Krise. Sein Werk umfasst über 150 Filme, dazu Bücher, Hörspiele, Theaterstücke, Zeichnungen und Gemälde wie »Die Bettwurst«, »Hitlers Ziege und die Hämorrhoiden des Königs« oder »Die Insel der Perversen«. Er porträtierte Menschen am Rand und machte sie zu Heldinnen und Helden des Alltags. Rosa liebte New York, die Subkulturen, die Kunst und das Risiko. Er inszenierte seinen eigenen Tod, sprach vom Sex nach dem Tod und wusste, dass Humor und Provokation Kraft schenken. Er lehrte uns, direkt zu sein, neugierig zu bleiben und keine Zeit zu verschwenden. Sein Fahrrad steht noch zwischen den Säulen.

Unserem Freund und »Ehrenmitglied«

Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Eileen Gray (1878–1976), in Irland geboren und in London und Paris ausgebildet, begann mit japanischer Lackkunst und avancierte schnell zu einer gefragten Designerin. 1927 realisierte sie – als Autodidaktin und gegen die Konventionen ihrer Zeit – ihr erstes Haus, E.1027, an der französischen Riviera: ein subtiles und radikal modernes Zusammenspiel aus Architektur und Möbeln, das Flexibilität, Komfort und Intimität neu definierte.

Im Rahmen der mpk-Ausstellungsreihe, die herausragende Positionen von Frauen in der Moderne würdigt – „Golden Girls“ – wird Grays Kosmos erfahrbar: Ausgewählte Designobjekte, Entwürfe und Zeichnungen werden in einer vom Fachbereich Architektur der RPTU konzipierten Ausstellungsarchitektur präsentiert. Raumfiguren und Gestaltfragmente verweisen auf Grays Raumkonzeptionen, lenken den Blick auf räumliche Besonderheiten und interpretieren das Werk der Designerin und Architektin.

Anna Viebrock, international gefeierte und renommierte Bühnen- und Kostümbildnerin sowie Regisseurin, brachte 2012 Grays Haus E.1027 als eine Verschränkung von Raum und Erzählung auf die Bühne. Anlässlich dieser Ausstellung entwickelt sie nun ein begehbares Werk für das mpk, das architektonische Präzision mit szenografischer Verdichtung und fein komponierter räumlicher Dramaturgie verbindet und so Eileen Grays Idee zum Haus E.1027 auf poetische Weise erfahrbar macht.

Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern

Yorck Kinogruppe

Schluss mit peinlich-schlüpfrigen Beziehungs-Remakes. Regisseurin Olivia Wilde beweist mit „The Invite“, wie eine meisterhafte Balance aus eleganter Erotik-Komödie und bissiger Paar-Satire funktioniert. Das Ergebnis ist eine treffsichere, saukomische Kinoproduktion mit grandioser Star-Power.

 

Die Besetzung setzt auf maximale Kontraste. Seth Rogen verkörpert perfekt den notorisch miesmuffeligen Langzeit-Ehemann Joe. Seine frustrierte Gattin Angela, gespielt von Olivia Wilde, hat zur Begrüßung der neuen Nachbarn extra die halbe Feinkostabteilung geplündert. Das Problem: Die neuen Nachbarn machen keinen Smalltalk. Penélope Cruz als Sexualtherapeutin und Edward Norton als chronisch löschwilliger Feuerwehrmann fallen sofort mit der Tür ins Haus.

Schon das Entree gerät zum Desaster, als die Gäste den Ehestreit durch die Haustür belauschen. Joes verzweifelter Versuch, das Treffen sofort abzubrechen, scheitert am extremen Offenheits-Drang der Nachbarn.

Das Gespräch eskaliert in Rekordzeit. Die Nachbarn plaudern ungehemmt über Gruppensex, während Angela krampfhaft versucht, nicht wie eine Spießerin zu wirken. Joe stirbt derweil den inneren Tod. Bis die Gäste schließlich klarstellen, dass das Interesse nicht der Schinkenplatte gilt. Die Dialoge sitzen perfekt. Auf einmal treten verlorene Nähe, ungestillte Sehnsüchte und die totale Verkrampfung der Figuren an die Oberfläche. Große Gefühle und viel zu lachen. Um Glück gibt´s Kino!

Yorck Kinogruppe

Geistesblüten

Was für ein Sommer! Da braucht es jede Menge und vor allem gute Erfrischungen.
Eine Cocktailkarte ganz eigener Art sind unsere Geistesblüten №26. Mit Inteviews mit Vicky Krieps, Lukas Gage, Douglas Stuart, Daniel Libeskind und vielen anderen.

Catches of the summer sind aber auch »Wir waren Wunder« von Stefan Cordes, »Besser als nie« von Stephan Thome, »Pony Show« von Juli Zeh, »Tutto bene« von Laura Wagner und »Papenburg« von Philipp Oehmke.

Falls in Ihren/eurem Koffer noch Platz ist…Das Geistesblüten Bookazine und gute Sommerlektüre findet ihr im Shop auf geistesblueten.com.

Geistesblüten

Claassen Verlag

»Red« von Louise Kennedy ist ein literarisches Kraftwerk, das einen mitreißt, tief aufwühlt und bis zur letzten Sekunde völlig gefangen hält. Kennedy feiert die Amour fou zwischen der Außenseiterin Róisín und dem genialen, melancholischen Red im Irland der 1980er-Jahre mit einer schonungslosen, absolut ehrlichen Intensität, die jede Zeile unter die Haut brennen lässt. Ihr Sound ist modern, rau, magnetisch und getrieben von einem unwiderstehlichen Beat aus purer Sehnsucht, unbändiger Lebensgier und der rauen Poesie des Aufbruchs. Wer einmal in diesen tiefen Strudel aus emotionaler Verbundenheit, irischer Melancholie und der ersten, alles verzehrenden Liebe hineingezogen wird, kann dieses Meisterwerk nicht mehr weglegen, bis der letzte Satz sich unlöschbar ins Herz gebrannt hat.

 

 

Claassen Verlag

Kein & Aber Verlag

Franziska Gänsler zieht uns mit »Orca« in eine atmosphärische Tiefsee der Gefühle, in der das Schweigen zwischen den Generationen so schwer wiegt wie der Ozean selbst. Ihre Sprache besitzt eine flüssige, klare Eleganz, die das Mysterium der Natur mit den feinen Rissen im menschlichen Miteinander verwebt – ein poetischer Sog, der melancholisch flutet und lange nachhallt.
Gitta von Spree seziert in »Danke für den schönen Abend« die glänzende Fassade der bürgerlichen Gesellschaft mit einer messerscharfen, beinahe diabolischen Leichtigkeit. Dieses Buch funktioniert wie ein literarisches Kammerspiel voller Esprit und verborgener Giftpfeile, das ein scheinbar perfektes Dinner in ein psychologisches Minenfeld verwandelt, dem man sich unmöglich entziehen kann.
Einar Lövdahl stürmt mit »Gegen den Wind« wie eine raue nordische Brise direkt in die Seele, voller Wehmut, Trotz und ungezähmter Freiheit. Seine Prosa fängt das unerbittliche Aufbegehren gegen gesellschaftliche Zwänge ein und feiert das Leben in seiner pursten, kantigsten Form – ein absolut magnetischer, existenzieller Roadtrip aus Worten.
Calla Henkel entfesselt in »Das haben wir nicht gewollt« eine moderne, nervenaufreibende Spirale aus Kontrollverlust, Gruppendynamik und bitterer Ironie. Schonungslos und rasant blickt sie hinter die Kulissen vermeintlich guter Absichten und zeigt im rasenden Takt unserer Gegenwart, wie schnell aus einem kleinen Funken ein unaufhaltsamer, faszinierender Flächenbrand entsteht.

Kein & Aber Verlag

Ecco Verlag

April Alexandersdottir seziert in »Ruby Baby« die größte psychologische Zerreißprobe unserer Gegenwart, das krankhafte Harmoniebedürfnis, so feinfühlig wie eine Therapeutin und gleichzeitig mit dem herrlich sarkastischen Vibe einer bissigen Generationen-Comedy. Die Geschichte folgt der 19-jährigen Ruby, die mit ihrem Freund das vermeintlich perfekte Erwachsenenleben probt. Sie stürzt sich in ein absurdes, zutiefst tragikomisches Hamsterrad aus vorgetäuschten Orgasmen, inszenierten Genussmomenten und dem nimmersatten Zwang, im Blickfeld absolut Fremder permanent die Bestätigung für die eigene Existenz abzusaugen. Alle Gefallsüchtigen werden sich bei diesem fieberhaften Seelen-Striptease ertappen und mit Tränen in den Augen nicken, während das restliche Publikum fassungslos den Kopf über diesen emotionalen Hochseilakt schüttelt. Es ist ein unverschämt süchtig machendes, kluges Stück Pop-Literatur über die totale Selbstaufgabe für ein kurzes Like, das Betroffenen liebevoll den Spiegel vorhält und Außenstehenden ein amüsiertes, kopfschüttelndes Staunen über den ganz normalen Wahnsinn des modernen Gesehenwerdens schenkt.

Ecco Verlag

Staatsballett Berlin

Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt des Staatsballett Berlin, Deutschlands größter Ballettkompanie, die 79 Tänzerinnen und Tänzer aus 30 Nationen auf drei renommierten Bühnen vereint: der Deutschen Oper Berlin, der Komischen Oper Berlin und der Staatsoper Unter den Linden. Seit seiner Gründung 2004 ist das Staatsballett ein Magnet für künstlerische Exzellenz – von Vladimir Malakhovs innovativen Visionen über die poetisch-introspektiven Werke Nacho Duatos bis zu den mutigen Choreographien von Sasha Waltz und Johannes Öhman. Unter der Leitung von Christian Spuck vereint die Kompanie klassisches Repertoire mit avantgardistischen Neukreationen und wurde von den Kritikerinnen und Kritikern der Zeitschrift Tanz zur «Kompanie des Jahres» gekürt und in der darauffolgenden Saison zu einem «Glanzlicht 2025».

Ein Highlight dieser Saison ist »Nurejew«. Nach dem Moskauer Bolschoi zeigt die Deutsche Oper in Berlin als Erste außerhalb Russlands das von Star-Regisseur Kirill Serebrennikov und Choreograph Yuri Possokhov in Szene gesetzte Stück.  Mit dem Star-Tänzer David Soares als Nurejew.

Staatsballett Berlin

Bayerische Staatsoper

Das »Ja, Mai-Festival« an der Bayerischen Staatsoper geht in die vierte Runde

Vom 30. April bis zum 15. Mai 2027 im perfekten Spagat zwischen den historischen Ursprüngen der Oper und radikalen Gegenwartskursen. Mit drei zentralen Musiktheaterwerken, einem diskursiven Rahmennetzwerk und dem Leitmotiv »Widerstand«!

Erleben Sie die erste Uraufführung von »Liberty« von der mexikanischen Komponistin Diana Syrse und der finnischen Autorin Sofi Oksanen. Flankiert wird diese messerscharfe Sezierung patriarchaler Gewaltstrukturen von Georg Friedrich Haas’ zutiefst physischer Komposition »Koma« sowie von Gordon Kampes politischer Produktion »Die Kreide im Mund des Wolfs«, die ihr szenisches Fundament direkt aus Reden des russischen Präsidenten Wladimir Putin gießt.

In bewährter Kooperation mit dem Monopol Kino werden die Kernthemen auch auf der großen Leinwand gezeigt.
Unter dem programmatischen Titel »ANTI DOOM LOOP KULT«  treffen sich bildende Kunst und Oper im Kunstraum Lothringer13 im Dialog.

Bayerische Staatsoper

Klett Cotta Verlag

Jacqueline Harpman aus Etterbeek zählt zu den großen Stimmen der französischsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts, die wir jetzt wiederentdecken können. Ihre eigene Geschichte – Flucht vor den Nationalsozialisten nach Casablanca, Krankheit, das Studium der Psychoanalyse – prägt das feinfühlige Gespür für menschliche Abgründe in ihren Texten.
In ihrem Roman »Ich, die ich Männer nicht kannte« sitzen neununddreißig Frauen tief unter der Erde gefangen, abgeschottet von der Welt, ohne Erinnerung, ohne Zeitgefühl, unter der Aufsicht schweigsamer Männer. Dann ertönt ein Alarm, die Türen stehen offen. Ausgerechnet die vierzigste Gefangene, die niemals etwas anderes kannte, wagt den ersten Schritt. Doch die ersehnte Freiheit entpuppt sich als eine fremde und herausfordernde Welt, in der Überleben, Selbstbestimmung und Gemeinschaft neu erlernt werden müssen. Und schon pochen Fragen wie: Was bedeutet Freiheit? Wie entkommt man sich selbst? Und kann es, darf es Glück geben, jetzt, wo alles aus den Fugen geraten ist?
Harpmans Roman gibt es jetzt in neuer deutscher Übersetzung von Luca Homburg! Und wer meint, alle guten modernen Klassiker sind drei, liest gleich noch Marlen Haushofers »Die Wand« und Margaret Atwoods »Der Report der Magd«.

Klett Cotta Verlag

Hirmer Verlag

Den berühmten Cowboy aus der Zigarettenwerbung fotografiert Richard Prince ab und stellt ihn in neuen Kontext. Humorvoll und provokant offenbaren seine aus den Massenmedien übernommenen Motive visuelle Kommunikationscodes der Konsumkultur. Der Band stellt retrospektiv das Werk in seiner ganzen Bandbreite dar.

Richard Prince (*1949) zählt zu den bekanntesten Künstlern der Gegenwart. Mit seinen Aneignungen von Bildern aus der Werbeindustrie polarisiert der amerikanische Maler und Fotograf seit den 1970er-Jahren. Im Zentrum der Publikation steht sein fotografisches Werk, sie zeigt aber auch andere Medien wie Installationen, Zeichnungen und Malereien. Vereint werden ikonische Arbeiten von Richard Prince wie seine Reihen Cowboys oder Fashion mit selten oder bislang nicht veröffentlichten Werken.

Hirmer Verlag

Albino Verlag

Im kolumbianischen Cartagena de Indias durfte Björn Koll die Dreharbeiten eines Filmprojekts der legendären Studios BelAmi und Corbin Fisher fotografisch begleiten. Ihn interessierte dabei weniger das Geschehen vor der Kamera als die intimen und privaten Momente der elf Models in den Drehpausen. Die „Cartagena Diaries“ lassen den zweiwöchigen Aufenthalt in einem Kolonialpalast aus dem 16. Jahrhundert wie einen einzigen unbeschwerten Tag im Licht der karibischen Sonne erscheinen. Ein fotografisches Carpe diem – lustvoll, verführerisch und authentisch.

Albino Verlag

C.Bertelsmann

Sylvester Stallone liefert mit »The Steps« kein verstaubtes Denkmal, sondern seine willensstarke Geschichte des Überlebens in Hollywood, die fausthartes Actionkino im Stil einer intimen, verletzlichen Beichte in eine ganz neue Runde läutet. Mit der rohen Wucht eines Kinnhakens und der emotionalen Eleganz einer perfekt choreografierten Schwanensee-Nummer blickt dieser Jahrhundertstar hinter Muskelberge und die wechselnden Bilder von Männlichkeit, um von Schmerz, Ablehnung und dem radikalen Triumph des Willens zu erzählen. Jeder Boxer wird bei dieser schonungslosen Abrechnung mit der eigenen Vergänglichkeit feuchte Augen bekommen, und selbst dem härtesten Rambo brechen bei dieser unerwarteten, entwaffnenden Zärtlichkeit die Knie weg. Es ist das ultimative Porträt eines Ausnahmetalents, das sich vom missverstandenen Underdog zum für den Oscar nomininierten Schauspieler hochgekämpft hat – eine magnetische, stilvoll inszenierte Hymne an die Menschlichkeit, die zeigt, dass die härtesten Kämpfe schon immer abseits des Scheinwerferlichts ausgetragen wurden.Und falls Sie ihn bisher auf der Leinwand verpasst haben, schnappen Sie sich unbedingt die Rocky-Box und »Cop Land«.

C.Bertelsmann

Staatsoper Unter den Linden

Bei den Barocktagen 2026 spannt sich der Bogen von Werken aus den ersten Jahrzehnten der Gattung Oper bis hin zu einem zentralen Werk über einhundert Jahre später am Ende dieser Epoche. Wie in den ersten Opern überhaupt, steht auch in Glucks »Orfeo ed Euridice« die mythische Figur des Sängers Orpheus im Mittelpunkt. Bevor die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli mit dieser Titelrolle an die Staatsoper zurückkehrt, eröffnet der Tenor Rolando Villazón die vielen musikalischen Facetten dieser Figur seit Claudio Monteverdi in einem Konzert. Monteverdis »L’incoronazione di Poppea« und Purcells »Dido & Aeneas« kommen erneut auf die Bühne, gespielt von der Akademie für Alte Musik Berlin, die auch ein Konzert gestaltet. Mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata ist Christina Pluhar ebenfalls mehrfach zu erleben, besonders in Stefan Herheims Neuinszenierung von Francesco Cavallis faszinierender Oper »La Calisto«.

Staatsoper Unter den Linden

Kunsthalle Mannheim

Mit der aktuellen Sonderausstellung realisiert die Kunsthalle Mannheim die bundesweit ambitionierteste Schau zum Nouveau Réalisme seit über anderthalb Jahrzehnten. Erwarten Sie keine eurozentrische Chronik, staunen Sie über globale, multipolare Kartografie!

Im Fokus steht die Ära vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die frühen 1970er-Jahre – eine Epoche, in der Kunstschaffende in Europa, Lateinamerika und den USA das Fundstück („Objet trouvé“) als radikalen Werkstoff für sich entdeckten. Durch diesen unvermittelten Zugriff auf die alltägliche Realität entstanden völlig neue ästhetische Sprachen. Inhaltlich spannen die Exponate den Bogen von intimen Diskursen über Körper und Identität bis hin zur harten Kritik an Konsumgesellschaft, Industrialisierung und ökologischer Zerstörung.

Das Fundament der Präsentation bilden die hochkarätigen Bestände der Kunsthalle Mannheim selbst, darunter Schlüsselwerke von Ikonen wie Yves Klein, Niki de Saint Phalle, Arman, César, Mimmo Rotella, Daniel Spoerri und Jacques de la Villeglé. Das Besondere: Die Schau verharrt nicht im etablierten Kanon. Sie stellt diesen Meilensteinen gezielt Arbeiten von zeitgenössischen Weggefährtinnen wie Alina Szapocznikow zur Seite. So entsteht ein faszinierender Dialog über parallele künstlerische Strömungen, die das visuelle Vokabular der Nachkriegsmoderne entscheidend mitgeprägt haben.

Kunsthalle Mannheim

Klett Cotta

Martina Hefter liefert mit »Nach der Sonne schauen« genau das Buch, das man nach einer endlosen Schicht oder einem harten Tag auf der Baustelle braucht: ein absolut packendes, ehrliches Stück Leben ohne jedes intellektuelle Blabla. Mitten in der kargen Provinz, irgendwo an einem künstlichen See, sucht die Künstlerin Iona nach einer miesen Sabotage einfach nur ihre Ruhe und trifft in einer alten Industriehalle auf eine ziemlich schräge Truppe, einen digitalen Bildschirmhund und eine echte, struppige Hündin namens Bella. Dieser Roman hat einen unbändigen, echten Rhythmus, der einen sofort den eigenen Alltagsstress vergessen lässt und zeigt, wie man sich gegen den ganz normalen Wahnsinn des Lebens wehrt. Es ist eine verdammt starke, bodenständige Geschichte über das Durchhalten und die Einsamkeit, die beweist, dass die besten Momente oft dann passieren, wenn man das Handy ausschaltet und einfach mal die Haustür hinter sich zumacht.

Klett Cotta