Rückblick: »Das Geschenk«, Buchpremiere mit Gaea Schoeters und Mark Waschke in der Urania Berlin
Elefanten mitten in Berlin, und es werden immer mehr. …
»Das Geschenk«Berlinpremiere »Die Welt in ihren Händen« in der Urania Berlin
Olivier Guez erzählt das Leben der Gertrude Bell und die bewegte Geschichte Mesopotamiens. Ein Premierengespräch (Do., 16.4., 19.30 Uhr) mit Olivier Guez, Heike Specht und Christian Dunker.
Zum Urania-TicketshopPodcast: »Freiwürfe mit einem Diktator«, Tom Kummer auf der Leipziger Buchmesse im Gespräch mit den Geistesblüten
Ein Schweizer Sportlehrer bekommt Post aus Pjöngjang und plötzlich wirkt selbst ein harmloser Korbleger wie der Anfang einer Weltgeschichte. In »Freiwürfe mit einem Diktator« trifft Turnhalle auf Totalitarismus, Erinnerung auf Möglichkeit und ein ehemaliger Schüler entpuppt sich als ziemlich schlechter Teamplayer mit atomarem Wurfarm.
Zum Geistesblüten-PodcastBerlin liest »Lügen über meine Mutter« von Daniela Dröscher
»Sein Gesicht war unser Wetter«, ein Zitat aus Siri Hustvedts Roman »Damals« erinnerte Daniela Dröscher daran, wie sehr Mutter und Kind in ihrem eigenen Roman dem Vater ausgesetzt sind, wie abhängig von ihm (das Kind fast radikal). Die Wahl der Aktion »Berlin liest ein Buch« fällt 2026 auf ein Buch, das tiefgründige Fragen aufwirft. Einen Abend moderieren die Geistesblüten. Für unsere No.19 haben wir mit Daniela Dröscher zu den »Lügen über meine Mutter« schon einmal ein ausführliches Gespräch geführt.
Mehr über die Aktion von radioeins, radio3 und den Berliner BibliothekenBrian Aris
»Celebrating George: Three Decades of George Michael through the Lens«Georgios Kyriacos Panayiotou, der Mann, den die Welt als George Michael liebte … ein Mensch, der das Blitzlichtgewitter zeitlebens eigentlich scheute. Genau diese stille Zurückhaltung verleiht diesem fantastischen Bild-/Textband eine fragile Schönheit: Es ist eine Hommage an einen Mann, der sich nur selten ganz offenbarte; nach seinem erzwungenen Coming-out vor fast 30 Jahren hört man manche Songzeilen anders.
Georgios Kyriacos Panayiotou, der Mann, den die Welt als George Michael liebte … ein Mensch, der das Blitzlichtgewitter zeitlebens eigentlich scheute. Genau diese stille Zurückhaltung verleiht diesem fantastischen Bild-/Textband eine fragile Schönheit: Es ist eine Hommage an einen Mann, der sich nur selten ganz offenbarte; nach seinem erzwungenen Coming-out vor fast 30 Jahren hört man manche Songzeilen anders.
Dass ausgerechnet Brian Aris diesen Blick hinter die Kulissen gewähren durfte, ist kein Zufall. Aris gilt als einer der bedeutendsten Musikfotografen seiner Generation; sein Objektiv fing alles ein, was die Popkultur prägte – vom rohen Geist des Punks und des klassischen Rock ’n’ Roll bis hin zum glitzernden Aufstieg der Boybands und der »Girl Power«. Ihm konnte man vertrauen, und somit dokumentierte Aris nicht nur Musikgeschichte, sondern auch die intimsten Momente der ganz Großen: Er begleitete Bob Geldof, Sting, David Bowie, Liza Minnelli und eben diesen besonderen George Michael.
Seit den ersten Tagen von Wham! verband George eine tiefe, fast lautlose Vertrautheit mit Brian Aris. Aris hatte einen Zugang, der beispiellos bleibt, der ließ ihn den sensiblen, vielschichtigen Geist hinter der glanzvollen Pop-Fassade dokumentieren.
George, der schon als Junge »von den Sternen träumte«, wurde selbst zu einem der hellsten. Nach dem rauschhaften Erfolg der Jugend erfand er sich als Solokünstler neu und schenkte uns Songs, die heute wie Echos aus einer anderen Zeit klingen – voller Leidenschaft und unvergessener Melancholie. Dass sein Herz ausgerechnet am Weihnachtstag 2016 aufhörte zu schlagen, mit gerade einmal 53 Jahren, hinterlässt bis heute eine Lücke, die sich nicht füllen lässt.
Dieses Buch verwebt Brian Aris‘ persönliche Erinnerungen mit ikonischen Momentaufnahmen, intimen Kontaktabzügen und Schätzen, die bisher im Verborgenen blieben. Es ist ein leises, von Herzen kommendes Lebewohl an einen der talentiertesten Künstler unserer Zeit – George Michael, der mit Recht zu den Unsterblichen gehört.
Andrew Durbin
»The Wonderful World That Almost Was«“Any time you want to make love, just ask me.” (Paul Thek)
“Any time you want to make love, just ask me.” (Paul Thek)
»The Wonderful World That Almost Was« von Andrew Durbin setzt den schwulen Künstlern Peter Hujar (Fotograf) und Paul Thek (Maler und Bildhauer), auch als Paar, ein gewaltiges Denkmal. Beide starben Ende der Achtziger Jahre an Aids.
Durbins Schreibprozess glich einer verzweifelten Anamnese im Angesicht des Verschwindens. Es war ein Wettlauf gegen die chronologische Erosion, während die ›noch lebenden Archive‹ – unter ihnen die Nachlassverwalter von Paul Thek und Peter Hujar – inmitten der Arbeit verstummten.
Die Aids-Pandemie forderte über den biologischen Tod hinaus einen zweiten, kulturhistorischen Tribut: eine gezielte Damnatio memoriae. In einem Akt posthumer Zensur tilgten viele Eltern die queere Identität ihrer Söhne aus dem meist bürgerlich konnotierten Familiennarrativ, indem sie deren Sterben unter dem Deckmantel ›akzeptabler‹ Ursachen wie Krebs , eines Infarkts oder leider tödlichen Unfalls umdeuteten. Diese »zweite Auslöschung« führte dazu, dass die Œuvres einst gefeierter Künstler in alle Winde zerstreut wurden und wie eine Art Spolia einer untergangenen Epoche und Kultur verloren gingen.
Dank der Weggefährten, die Durbin noch befragen konnte, bleiben die Erinnerungen an Hujar und Thek lebendig. Sein Werk ist das literarische Reliquiar, das die radikale Intimität dieses für die Kunst des 20. Jahrhunderts so maßgeblichen Paares vor der endgültigen Dekonstruktion bewahrt.
Peter Hujars Arbeiten sind bis 28. Juni 2026 im Berliner Gropiusbau zu sehen: »Peter Hujar / Liz Deschenes: Persistence of Vision«
Stefan Weidner
»Der arabische Diwan« - Die schönsten Gedichte aus vorislamischer ZeitAls die alte arabische Dichtung in Europa bekannt wurde, galt sie als magischer Ort der Poesie. Stefan Weidner hat diese Gedichte für die Gegenwart zu neuem Leben erweckt. Sein jüngster Beitrag »Der arabische Diwan« setzt neue Maßstäbe in der Übersetzung der »schönsten Gedichte aus vorislamischer Zeit«. Vor unseren Augen entfaltet sich kein ›bloßer‹ Text, sondern eine fiebernde Topografie des Orients – ein Panorama, in dem sich die uralten Bruchlinien von Liebe und Hass, bedingungsloser Treue und kalkulierter Rache neu vermessen. Es ist ein narratives Destillat aus Großmut und erbärmlichem Geiz, durchwirkt von den feinen Kapillaren der Politik und der schweren Textur der Erotik. Zwischen den Extremen von Gemetzel und Versöhnung bewegen sich Gestalten, die wie aus der Zeit gefallen wirken: Liebesnarren, die dem Wahn erliegen, Wüstenhexen als Hüterinnen des Arkanen und Dromedare, die als stumme Zeugen durch diese flirrende Kulisse ziehen.
Als die alte arabische Dichtung in Europa bekannt wurde, galt sie als magischer Ort der Poesie. Stefan Weidner hat diese Gedichte für die Gegenwart zu neuem Leben erweckt. Sein jüngster Beitrag »Der arabische Diwan« setzt neue Maßstäbe in der Übersetzung der »schönsten Gedichte aus vorislamischer Zeit«. Vor unseren Augen entfaltet sich kein ›bloßer‹ Text, sondern eine fiebernde Topografie des Orients – ein Panorama, in dem sich die uralten Bruchlinien von Liebe und Hass, bedingungsloser Treue und kalkulierter Rache neu vermessen. Es ist ein narratives Destillat aus Großmut und erbärmlichem Geiz, durchwirkt von den feinen Kapillaren der Politik und der schweren Textur der Erotik. Zwischen den Extremen von Gemetzel und Versöhnung bewegen sich Gestalten, die wie aus der Zeit gefallen wirken: Liebesnarren, die dem Wahn erliegen, Wüstenhexen als Hüterinnen des Arkanen und Dromedare, die als stumme Zeugen durch diese flirrende Kulisse ziehen.
Der Sheikh Zayed Book Award in der Kategorie »Arabische Kultur in anderen Sprachen« geht 2026 an den Übersetzer und Essayisten Stefan Weidner, einen der bedeutendsten Vermittler zeitgenössischer und klassischer arabischer Literatur. Die Auseinandersetzung im deutschprachigen Raum mit arabischer Kultur und Denktraditionen hat er maßgeblich geprägt.
»Es gibt auch eine arabische Welt vor dem Islam, und ihre Poesie ist in diesem Band auf einmalige Weise zu entdecken.« Navid Kermani
»Anna« by Amy Odell
»Anna«Anna Wintour ist die mächtigste Frau der Modewelt. Über dreißig Jahren stand sie an der Spitze der amerikanischen Vogue und hat mit rigorosem Urteil die Karrieren unzähliger Designer gefördert oder zerstört. Wer verbirgt sich hinter der mythenumrankten Modeikone mit Sonnenbrille und Pagenschnitt, die als Vorbild für den Weltbestseller »Der Teufel trägt Prada« diente?
Die Journalistin Amy Odell hat sich auf intensive Spurensuche begeben und zahlreiche Gespräche mit Wintours engsten Vertrauten und Wegbegleitern geführt. Das Ergebnis ist ein packendes und authentisches Porträt, das eindrucksvoll vor Augen führt, wie sich eine junge Frau dank ihres unermüdlichen Ehrgeizes und einzigartigen Talents in der internationalen Modewelt ganz nach oben gekämpft und diese für immer verändert hat.
Anna Wintour ist die mächtigste Frau der Modewelt. Über dreißig Jahren stand sie an der Spitze der amerikanischen Vogue und hat mit rigorosem Urteil die Karrieren unzähliger Designer gefördert oder zerstört. Wer verbirgt sich hinter der mythenumrankten Modeikone mit Sonnenbrille und Pagenschnitt, die als Vorbild für den Weltbestseller »Der Teufel trägt Prada« diente?
Die Journalistin Amy Odell hat sich auf intensive Spurensuche begeben und zahlreiche Gespräche mit Wintours engsten Vertrauten und Wegbegleitern geführt. Das Ergebnis ist ein packendes und authentisches Porträt, das eindrucksvoll vor Augen führt, wie sich eine junge Frau dank ihres unermüdlichen Ehrgeizes und einzigartigen Talents in der internationalen Modewelt ganz nach oben gekämpft und diese für immer verändert hat.
Ladies, Chapeau! Ab 30. April 2026 im Kino: die fantastische Meryl Streep als Anna Wintour im Sequel von »Der Teufel trägt Prada«, man glaubt es kaum, aber wir schreiben 20 Jahre nach dem ersten Film… toll!
Anne Berest
»Vatertage«»Jede Ferien verließen wir unseren Pariser Vorort und fuhren in die Bretagne, die Heimat meines Vaters, wo er geboren worden war, genau wie sein Vater – und dessen Vater vor ihm.«
Nach zwei Büchern über die Familie ihrer Mutter widmet Anne Berest dies neue Kapitel ihres Romanwerks dem väterlichen, dem bretonischen Zweig ihrer Familie. Schon der Ururgroßvater lebte im Finistère (finis terrae, am Ende der Welt). Wie schon in ihrem Welterfolg »Die Postkarte« vermischt sich die private mit der »großen« Geschichte, von der Gründung der ersten Bauerngenossenschaften bis zum Mai 1968, von der deutschen Besatzung eines Dorfes im Léon bis zur Zerstörung der Stadt Brest.
»Jede Ferien verließen wir unseren Pariser Vorort und fuhren in die Bretagne, die Heimat meines Vaters, wo er geboren worden war, genau wie sein Vater – und dessen Vater vor ihm.«
Nach zwei Büchern über die Familie ihrer Mutter widmet Anne Berest dies neue Kapitel ihres Romanwerks dem väterlichen, dem bretonischen Zweig ihrer Familie. Schon der Ururgroßvater lebte im Finistère (finis terrae, am Ende der Welt). Wie schon in ihrem Welterfolg »Die Postkarte« vermischt sich die private mit der »großen« Geschichte, von der Gründung der ersten Bauerngenossenschaften bis zum Mai 1968, von der deutschen Besatzung eines Dorfes im Léon bis zur Zerstörung der Stadt Brest.
Am 2. Juni 2026 begrüßen wir, und es ist wunderbar, das so sagen zu können, unsere Freundin Anne Berest zur Deutschlandpremiere von »Vatertage« in Kooperation mit dem Berlin Verlag. Aus der deutschen Übersetzung liest die Schauspielerin Inga Busch, das Gespräch mit Anne Berest führt Niklas Maak (FAZ).
Liza Minnelli und Michael Feinstein
»Kids, Wait Till You Hear This!«In »Liza – Kids, Wait Till You Hear This!« von Liza Minnelli und Michael Feinstein bleibt der Vorhang oben, auch wenn Liza mal hinfällt. Dann steht sie wieder auf, klopft sich über die Knie und lacht. Sie ist Perfektionistin. Als Tochter von Judy Garland und Vincente Minnelli lernt sie früh, dass Nähe zum Publikum keine Entscheidung ist, da wurde sie hineingeboren. Schmerzen werden nicht versteckt, sie werden choreografiert. Jede Grenze wird zur Nummer, jede Nummer zur Rettung.
In »Liza – Kids, Wait Till You Hear This!« von Liza Minnelli und Michael Feinstein bleibt der Vorhang oben, auch wenn Liza mal hinfällt. Dann steht sie wieder auf, klopft sich über die Knie und lacht. Sie ist Perfektionistin. Als Tochter von Judy Garland und Vincente Minnelli lernt sie früh, dass Nähe zum Publikum keine Entscheidung ist, da wurde sie hineingeboren. Schmerzen werden nicht versteckt, sie werden choreografiert. Jede Grenze wird zur Nummer, jede Nummer zur Rettung.
»Cabaret« bleibt der Ursound. Oscarnominiert war sie vorher schon. New York wird Revue. Studio 54 ein zweites Zuhause. In den Telefonbüchern von Andy Warhol, Halston und Elizabeth Taylor steht sie als „Liza With a Z“.
Und dann diese andere Tonart. Sucht, Brüche, Ehen, die wie schlecht getimte Cues einsetzen und wieder verschwinden. Minnelli spricht darüber ohne Schleier, aber mit Timing. Kein Geständnis, eher eine Nummer, die gelernt wurde, bis sie sitzt. Gerade weil uns ihre Erinnerungen so gut gefallen, haben wir ihr in den Geistesblüten №26 eine kleine Hommage geschrieben.
Donald Windham
»Verlorene Freunde«Lange stand Donald Windham im Schatten seiner berühmteren Weggefährten Truman Capote und Tennessee Williams. Liest man seine Erinnerungen fragt man sich unweigerlich warum.
In New York, Venedig, in Hotelzimmern, Probenräumen und endloslangen Nächten beobachtet Windham seine Freunde schonungslos und zärtlich. Beim Schreiben, Trinken, Ertrinken, Lügen. Und auf einmal laufen ein exzentrischer D. H. Lawrence, eine verletzliche Tania Blixen und ein erstaunlich sparsamer André Gide durchs Bild. Nichts davon wirkt wie literarischer Klatsch, alles ist geteilte Gemeinsamkeit. Dass Windham selbst nie den Ruhm seiner Freunde erreichte – obwohl sein Debütroman »Dog Star« von Größen wie Thomas Mann, André Gide und Albert Camus geschätzt wurde – verleiht diesem Buch eine leise, fast melancholische Autorität. Er schreibt nicht aus der Pose des Genies, sondern aus der seltenen Perspektive dessen, der geblieben ist, während andere sich verloren haben. Dass Windhams Vermächtnis heute in den hochdotierten Donald Windham–Sandy M. Campbell Literature Prizes an der Yale University weiterlebt, wirkt fast wie eine späte Pointe: Der Mann, der so präzise über das Scheitern von Karrieren und Beziehungen schrieb, ermöglicht anderen ein Jahr ungestörten Schreibens.
Lange stand Donald Windham im Schatten seiner berühmteren Weggefährten Truman Capote und Tennessee Williams. Liest man seine Erinnerungen fragt man sich unweigerlich warum.
In New York, Venedig, in Hotelzimmern, Probenräumen und endloslangen Nächten beobachtet Windham seine Freunde schonungslos und zärtlich. Beim Schreiben, Trinken, Ertrinken, Lügen. Und auf einmal laufen ein exzentrischer D. H. Lawrence, eine verletzliche Tania Blixen und ein erstaunlich sparsamer André Gide durchs Bild. Nichts davon wirkt wie literarischer Klatsch, alles ist geteilte Gemeinsamkeit. Dass Windham selbst nie den Ruhm seiner Freunde erreichte – obwohl sein Debütroman »Dog Star« von Größen wie Thomas Mann, André Gide und Albert Camus geschätzt wurde – verleiht diesem Buch eine leise, fast melancholische Autorität. Er schreibt nicht aus der Pose des Genies, sondern aus der seltenen Perspektive dessen, der geblieben ist, während andere sich verloren haben. Dass Windhams Vermächtnis heute in den hochdotierten Donald Windham–Sandy M. Campbell Literature Prizes an der Yale University weiterlebt, wirkt fast wie eine späte Pointe: Der Mann, der so präzise über das Scheitern von Karrieren und Beziehungen schrieb, ermöglicht anderen ein Jahr ungestörten Schreibens.
Hal Ebbott
»Unter Freunden«Amos und Emerson sind beste Freunde seit dem College. Jeder von ihnen hat sich in den letzten dreißig Jahren ein Leben aufgebaut. Alles scheinbar mühelos: Glückliche Ehen, zufriedene, gesunde Kinder, funktionierende Rituale. Doch Ebbott interessiert nicht die Oberfläche. Auf dem Weg zum Geburtstag des besten Freundes blitzen immer mehr Details auf, die in die Haut schneiden: Eine Autofahrt, ein Zahnarztbesuch, ein leeres Skizzenbuch.
Amos und Emerson sind beste Freunde seit dem College. Jeder von ihnen hat sich in den letzten dreißig Jahren ein Leben aufgebaut. Alles scheinbar mühelos: Glückliche Ehen, zufriedene, gesunde Kinder, funktionierende Rituale. Doch Ebbott interessiert nicht die Oberfläche. Auf dem Weg zum Geburtstag des besten Freundes blitzen immer mehr Details auf, die in die Haut schneiden: Eine Autofahrt, ein Zahnarztbesuch, ein leeres Skizzenbuch.
Im Landhaus kippt die Ordnung. Ein Unfall wird zur Anekdote, Schmerz zur Pointe. Man lacht, um Distanz zu schaffen. Genau hier liegt die Schärfe dieses Romans. Er zeigt, wie schnell sich Wirklichkeit glätten lässt, wenn sie stört, und wie sehr Freundschaft Besitzansprüche erzeugt, die andere Beziehungen verdrängen.
Ebbott schreibt kontrolliert und aufmerksam. Er sammelt Blicke, Sätze, kleine Verschiebungen und macht daraus ein dichtes Gefüge aus Begehren, Rivalität und stiller Kränkung. Entscheidend ist nicht das Ereignis, sondern das, was danach bleibt. Darüber sprechen wir mit Hal Ebbott im Interview für unser Geistesblüten Magazin №26.
Simon Chevrier
»Foto auf Anfrage«Man sagt, Literatur erkennt man daran, dass sie dich erst verführt und dir dann ganz ungeniert die Wahrheit ins Ohr flüstert. Simon Chevriers Roman »Foto auf Anfrage« macht genau das. Ein bisschen Blickkontakt, ein bisschen Haut, ein bisschen existenzielle Krise zwischen zwei Grindr-Nachrichten und plötzlich sitzt du da und fragst dich, wann genau dein Herz angefangen hat, sich in diesen Text zu verbeißen. Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt du premier roman 2025, also quasi der literarische Ritterschlag für Debüts, kommt diese Geschichte nicht geschniegelt daher, sondern mit zerzausten Haaren, leicht verschwitzt und erschreckend ehrlich. In Toulouse, 2020. – also noch mitten in der Pandemie – swiped sich der einsame Erzähler selbst genauso hart wie seine Dates.
Die Sprache ist klar, trocken, manchmal so präzise, dass sie fast intim wird. Nicht laut erotisch, eher dieses leise Knistern, wenn jemand dich ansieht und du nicht sicher bist, ob es Begehren oder Projektion ist. Wahrscheinlich beides. Christian Ruzicska hat den Text ins Deutsche übersetzt.
Die Obsession des Erzählers – getriggert durch ein Foto von Peter Hujar – wird zur Spurensuche durch Jahrzehnte, durch Körper, durch Verluste. Und irgendwo zwischen New Yorker Bohème der Achtziger und digitaler Gegenwart liegt diese eine Frage, die sich nicht wegwischen lässt: Wer bist du, wenn niemand mehr zuschaut?
Man sagt, Literatur erkennt man daran, dass sie dich erst verführt und dir dann ganz ungeniert die Wahrheit ins Ohr flüstert. Simon Chevriers Roman »Foto auf Anfrage« macht genau das. Ein bisschen Blickkontakt, ein bisschen Haut, ein bisschen existenzielle Krise zwischen zwei Grindr-Nachrichten und plötzlich sitzt du da und fragst dich, wann genau dein Herz angefangen hat, sich in diesen Text zu verbeißen. Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt du premier roman 2025, also quasi der literarische Ritterschlag für Debüts, kommt diese Geschichte nicht geschniegelt daher, sondern mit zerzausten Haaren, leicht verschwitzt und erschreckend ehrlich. In Toulouse, 2020. – also noch mitten in der Pandemie – swiped sich der einsame Erzähler selbst genauso hart wie seine Dates.
Die Sprache ist klar, trocken, manchmal so präzise, dass sie fast intim wird. Nicht laut erotisch, eher dieses leise Knistern, wenn jemand dich ansieht und du nicht sicher bist, ob es Begehren oder Projektion ist. Wahrscheinlich beides. Christian Ruzicska hat den Text ins Deutsche übersetzt.
Die Obsession des Erzählers – getriggert durch ein Foto von Peter Hujar – wird zur Spurensuche durch Jahrzehnte, durch Körper, durch Verluste. Und irgendwo zwischen New Yorker Bohème der Achtziger und digitaler Gegenwart liegt diese eine Frage, die sich nicht wegwischen lässt: Wer bist du, wenn niemand mehr zuschaut?
Sarah Kuttner
»Mama & Sam«»Mama & Sam« von Sarah Kuttner öffnet eine Tür in eine intime, erschütternde Welt. Eine Tochter betritt die Wohnung ihrer plötzlich verstorbenen Mutter und findet Chaos, einen überquellenden Briefkasten und eine Leerstelle, die sich erst allmählich erklärt. Die Mutter war verliebt in einen Mann, den es nie gab. Sam, ein Love Scammer, hat ihr Fürsorge und Nähe vorgetäuscht und sie emotional wie finanziell ausgebeutet. Zurück bleiben unzählige Chatverläufe, die die Tochter nun liest, fremde Worte voller Sehnsucht, die ein Leben lang verborgen lagen.
»Mama & Sam« von Sarah Kuttner öffnet eine Tür in eine intime, erschütternde Welt. Eine Tochter betritt die Wohnung ihrer plötzlich verstorbenen Mutter und findet Chaos, einen überquellenden Briefkasten und eine Leerstelle, die sich erst allmählich erklärt. Die Mutter war verliebt in einen Mann, den es nie gab. Sam, ein Love Scammer, hat ihr Fürsorge und Nähe vorgetäuscht und sie emotional wie finanziell ausgebeutet. Zurück bleiben unzählige Chatverläufe, die die Tochter nun liest, fremde Worte voller Sehnsucht, die ein Leben lang verborgen lagen.
Kuttner erzählt von der zerfransten, zärtlichen und oft schmerzhaften Bindung zwischen Mutter und Tochter, von Verletzungen aus der Kindheit und dem Versuch, nach dem Tod einer geliebten Person die eigenen Gefühle nicht aus den Händen fallen zu lassen. Dass die Autorin selbst kurz zuvor ihre Mutter an genau solchen Betrug verloren hat, verleiht dem Roman eine besondere Dringlichkeit. Man spürt die Atemlosigkeit der Monate, in denen Trauer, Recherche und Schreiben ineinanderflossen. So entsteht ein menschliches, berührendes Buch über Verlust und Verstehen und über die Sehnsucht nach Liebe, die uns alle verletzlich macht.
Im Geistesblüten Mag №25 entfaltet Sarah Kuttner in einem exklusiven Interview jene Wärme und Klarheit, die auch dieses Buch so besonders machen.
David Vajda
»Diamanten«»Diamanten« von David Vajda erzählt Familie wie einen Film, der nie zur Ruhe kommt. Szenen überblenden sich, Stimmen schneiden einander, alles steht unter dem Verdacht, Material zu sein.
»Diamanten« von David Vajda erzählt Familie wie einen Film, der nie zur Ruhe kommt. Szenen überblenden sich, Stimmen schneiden einander, alles steht unter dem Verdacht, Material zu sein.
Dudie, Regisseur und Erzähler, blickt auf Geschwister, die Wirklichkeit nur gelten lassen, wenn sie erzählbar wird. Ada spricht in Kunstbegriffen, Benny erfindet eigene Spiele, Blondie bleibt im Hintergrund und doch präsent. Selbst Wut hat hier eine Ästhetik. Vielleicht hat jemand den Grabstein der Mutter umgeworfen. Sicher ist nur, dass Verlust nie abgeschlossen ist.
In Belgrad, im Mausoleum von Tito, kippt Geschichte ins Private. Der Vater erzählt präzise, ohne Pathos, nennt seine Kinder Mačak, Himbeeren, Diamanten. Er tröstet ungeschickt, liebt übergriffig, erinnert sich falsch und genau zugleich.
Vajda schreibt mit filmischer Kälte und zärtlichem Blick. Er zeigt eine Familie, die sich über Bilder verständigt und daran scheitert. Komisch, hart, sehr wach…..Kamrea läuft!
Lilli Tollkien
»Mit beiden Händen den Himmel stützen«Lale kommt in ein Leben, das sie nicht schützt. Westberlin in den achtziger Jahren, Männerkommune, politische Parolen, Musik von Ton Steine Scherben und Einstürzende Neubauten. Für die Erwachsenen ein Experiment, für das Kind ein Gelände ohne Halt. Sie darf alles und hat nichts. Freiheit kippt in Vernachlässigung, Nähe in Übergriff.
Lale kommt in ein Leben, das sie nicht schützt. Westberlin in den achtziger Jahren, Männerkommune, politische Parolen, Musik von Ton Steine Scherben und Einstürzende Neubauten. Für die Erwachsenen ein Experiment, für das Kind ein Gelände ohne Halt. Sie darf alles und hat nichts. Freiheit kippt in Vernachlässigung, Nähe in Übergriff.
Lilli Tollkien bleibt nah an Lales Blick. Sie registriert, was geschieht, ohne es sofort zu erklären. Gerade daraus entsteht die Wucht. Man liest und versteht oft einen Moment zu spät. Schule wird zum Zufluchtsort, Sprache zum Rettungsversuch.
Später beginnt Lale, ihre Geschichte selbst zu ordnen. Nicht als Heilung, eher als präzises Erinnern. Lilli Tollkien schreibt klar, ohne Schonung, und findet eine Form, in der Schmerz und Selbstbehauptung nebeneinander stehen. Ein Roman, der sich nicht anbiedert und gerade deshalb lange bleibt.
Seán Hewitt
»Öffnet sich der Himmel«Seán Hewitts Romandebüt »Öffnet sich der Himmel«, sensibel ins Deutsche übertragen von Stephan Kleiner, ist kein klassischer Heimkehrerroman. Und doch geht es ums Zurückkehren. Nicht an einen Ort, sondern zu einem Gefühl, einem Bruch, einer Frage, die nie wirklich verschwunden ist: Was hätte sein können? Was blieb ungesagt?
Seán Hewitts Romandebüt »Öffnet sich der Himmel«, sensibel ins Deutsche übertragen von Stephan Kleiner, ist kein klassischer Heimkehrerroman. Und doch geht es ums Zurückkehren. Nicht an einen Ort, sondern zu einem Gefühl, einem Bruch, einer Frage, die nie wirklich verschwunden ist: Was hätte sein können? Was blieb ungesagt?
James, sechzehn, wohnt im nordenglischen Thornmere, einem Ort, in dem das Gras zu langsam wächst und jeder Blick eine Geschichte trägt. Seine Welt ist eng: die Milchrunde am Morgen, der kranke kleine Bruder, die Erwartungen der Eltern, das Schweigen der Kirche, die feindselige Gleichgültigkeit der Mitschüler. Aber James will mehr. Nicht unbedingt Großstadt, nicht Ruhm nur etwas Echtes. Und dann trifft er Luke. Blonder Schopf, ruppiger Charme, aus der Stadt strafversetzt, randvoll mit Geheimnissen. Was zwischen ihnen wächst, passiert langsam und überrollt ihn dennoch mit voller Wucht.
Was Hewitt erzählt, ist keine klassische Coming-of-Age-Geschichte. Es ist ein Aufbruch, der in der Sprache selbst vibriert. Die Prosa ist poetisch und klar, verletzlich und aufrichtig. Man spürt in jeder Zeile, dass hier ein Dichter schreibt. Einer, der nicht erklärt, sondern öffnet. Einer, der nicht moralisieren will, sondern teilhaben lässt: am Begehren, an der Verwirrung, am Mut, sich zu zeigen.
»Öffnet sich der Himmel« ist ein Buch über Jugend, aber mehr noch über die Anfänge des Verstehens. Über das, was in einem aufbricht, wenn plötzlich ein anderer Mensch den eigenen Blick erwidert. Es geht um Liebe, nicht als großes Gefühl, sondern als zarte, gefährliche Möglichkeit. Um den Schmerz, der bleibt, wenn man sich nicht traut. Und um das Leuchten, das einen trotzdem nicht verlässt. Ein Roman für alle, die sich erinnern, wie es war, jung zu sein und für alle, die wissen, dass es Mut braucht, sich selbst zu begegnen. Hewitt erzählt mit großer Zärtlichkeit und formaler Schönheit von der Fragilität des Begehrens.
Oyinkan Braithwaite
»Der Fluch der Falodun Frauen«Mit »Der Fluch der Falodun Frauen« kehrt Oyinkan Braithwaite, die Autorin von »Meine Schwester, die Serienmörderin«, eindrucksvoll zurück. Ihr neuer Roman entfaltet eine magisch-realistische Familiengeschichte über Generationen von Frauen, die vom Verlust ihrer Männer und einem uralten Fluch heimgesucht werden.
Mit »Der Fluch der Falodun Frauen« kehrt Oyinkan Braithwaite, die Autorin von »Meine Schwester, die Serienmörderin«, eindrucksvoll zurück. Ihr neuer Roman entfaltet eine magisch-realistische Familiengeschichte über Generationen von Frauen, die vom Verlust ihrer Männer und einem uralten Fluch heimgesucht werden.
Eniiyi wird am Tag von Monifes Beerdigung geboren und sieht ihrer verstorbenen Tante zum Verwechseln ähnlich. Bald glaubt die Familie, Monife sei in ihr wiedergeboren. Doch das Unglück der Falodun-Frauen scheint sich zu wiederholen. Zwischen Lagos und der spirituellen Welt verwebt Braithwaite das Schicksal dreier Frauen zu einer Geschichte über Liebe, Schmerz und die Macht unerlöster Vergangenheit.
Mit feinem Humor, scharfer Beobachtung und hypnotischer Intensität erzählt Braithwaite von weiblicher Stärke und den Geistern, die Familien über Generationen begleiten. »Der Fluch der Falodun Frauen« ist eindringlich, geheimnisvoll und schlicht unwiderstehlich.
Al Pacino
»Sonny Boy«Einen wie Al Pacino gibt es nur einmal. Für die Weltöffentlichkeit tauchte er wie eine Supernova am Himmel auf. Seine erste Hauptrolle spielte er 1971 in »Panik im Needle Park«. Bis 1975 kamen vier Filme dazu: »Der Pate« und »Der Pate Teil II«, »Serpico« und »Hundstage«, die nicht nur Erfolge, sondern auch Meilensteine der Filmgeschichte waren. Diese Rollen machten Al Pacino zur Legende und veränderten sein Leben für immer, denn seit Marlon Brando und James Dean hatte kein Schauspieler mehr für solches Aufsehen gesorgt. Damals whatte er mit Mitte dreißig schon viele Leben gelebt. In »Sonny Boy« gibt er zum ersten Mal Einblick in seine mitreißende Vergangenheit. Es sind die Memoiren eines Mannes, der nichts mehr zu fürchten und nichts mehr zu verbergen hat.
Einen wie Al Pacino gibt es nur einmal. Für die Weltöffentlichkeit tauchte er wie eine Supernova am Himmel auf. Seine erste Hauptrolle spielte er 1971 in »Panik im Needle Park«. Bis 1975 kamen vier Filme dazu: »Der Pate« und »Der Pate Teil II«, »Serpico« und »Hundstage«, die nicht nur Erfolge, sondern auch Meilensteine der Filmgeschichte waren. Diese Rollen machten Al Pacino zur Legende und veränderten sein Leben für immer, denn seit Marlon Brando und James Dean hatte kein Schauspieler mehr für solches Aufsehen gesorgt. Damals whatte er mit Mitte dreißig schon viele Leben gelebt. In »Sonny Boy« gibt er zum ersten Mal Einblick in seine mitreißende Vergangenheit. Es sind die Memoiren eines Mannes, der nichts mehr zu fürchten und nichts mehr zu verbergen hat.
Selber sagt er: »Ich habe dieses Buch geschrieben, um zu erzählen, was ich in meinem Leben gesehen und durchgemacht habe.Mein ganzes Leben war wie ein Raketenflug zum Mond, und ich bin ein ziemlicher Glückspilz gewesen.«
Gillian Anderson
»Want«»Extrem sexy … ‚Want‘ ist das geile Manifest, für das dir deine To be Read-Liste danken wird« Cosmopolitan
»Extrem sexy … ‚Want‘ ist das geile Manifest, für das dir deine To be Read-Liste danken wird« Cosmopolitan
Was wollen Sie, wenn niemand zuschaut?
An wen denken Sie, wenn sich ein schönes Gefühl breit macht und das Licht aus ist?
Was wollen Sie wirklich, wenn Sie an Sex denken?
»Wenn wir über Sex reden, reden wir über Weiblichkeit und Mutterschaft, Untreue und Ausbeutung, Zustimmung und Respekt, Fairness und Gleichberechtigung, Liebe und Hass, Lust und Schmerz. Und doch sprechen so viele von uns überhaupt nicht darüber«, sagt Schauspielerin Gillian Anderson. Für dieses prickelnde Buch sammelte sie die anonymen sexuellen Fantasien von Frauen aus aller Welt ein. Sie kommentiert ihre Träume nicht. Sie kuratiert sie. Ihre liebevollen Vorworten spickt sie mit ihren eigenen Fantasien. Die ihr erzählten Sehnsüchte bersten vor Begehren, Angst, Intimität, Scham, Befriedigung und letztlich auch vor Befreiung. Über einige Träume sprachen die Frauen lang nicht, weil sie dachten, das wäre tabu. Wie der Wunsch mit mehreren gleichzeitig Sex haben zu wollen, der Gedanke, eine andere Frau zu küssen. Manchen träumen von sanftem, zärtlichem bis hin zu leidenschaftlichem, verspieltem Sex. Andere erzählen ganz frei, dass sie schon so viel Sex hatten, dass sie sich nicht mehr an jede Einzelheit erinnern können.
Nicolas Mathieu
»Jede Sekunde«Verboten, vergänglich – und verdammt lebendig:
Nicolas Mathieus »Jede Sekunde« ist kein Buch über eine Affäre. Es ist eine Affäre. Eine literarische, eine körperliche, eine, die sich zwischen den Seiten ausbreitet wie warme Haut auf einem frisch zerwühlten Hotelbett. Wer sich darauf einlässt, liest nicht nur – er erinnert, begehrt, vermisst.
Verboten, vergänglich – und verdammt lebendig:
Nicolas Mathieus »Jede Sekunde« ist kein Buch über eine Affäre. Es ist eine Affäre. Eine literarische, eine körperliche, eine, die sich zwischen den Seiten ausbreitet wie warme Haut auf einem frisch zerwühlten Hotelbett. Wer sich darauf einlässt, liest nicht nur – er erinnert, begehrt, vermisst.
Ein Mann, eine Frau, beide haben ihre Erfahrungen mit Routinen, Ehe, Job, Kalendersex. Und dann passiert das, wovon man nur noch selten spricht: Sie sehen einander. Und nichts, wirklich nichts, bleibt wie vorher. Ab diesem Moment zählt jede Sekunde.
Mathieu schreibt mit der Zartheit eines Liebhabers und der Schonungslosigkeit eines Beichtstuhls. Jeder Satz riecht nach Haut, nach Kaffee, nach Sehnsucht. Kein billiger Kitsch, kein Seidenhemd-Schmalz – sondern eine Sprache, die Begehren ernst nimmt: in all seiner Körperlichkeit, seiner Gewalt, seiner Melancholie.
Dieses Buch ist wie ein Blick aufs Handy, wenn man es nicht darf.
Wayne Koestenbaum
»My Lover, the Rabbi«Was wäre, wenn du dich in einen Rabbi verliebst…jeden Tag mehr…und dann noch mehr…bis…
Was wäre, wenn du dich in einen Rabbi verliebst…jeden Tag mehr…und dann noch mehr…bis…
Die Hintergrundstory ab sofort in unseren Geistesblüten №26.
Andreas Schäfer
»Letzter Akt«London, 2005. Premiere, Applaus, danach eine Bar. Und dann dieser Moment: Eine bekannte Schauspielerin trifft auf einen Mann, der sie nicht erkennt. Klingt wie ein kleiner Zufall – ist aber der Anfang von etwas, das langsam unter die Haut geht. Dora, Anfang vierzig, erfolgreich, routiniert im Umgang mit Öffentlichkeit, begegnet Victor, einem Maler, der ihr nichts spiegelt. Kein Bewundern, kein Wiedererkennen. Für jemanden, die sonst eher mit Sonnenbrille unterwegs ist, damit sie nicht von jedem erkannt wird, ist das irritierend – und gleichzeitig befreiend.
London, 2005. Premiere, Applaus, danach eine Bar. Und dann dieser Moment: Eine bekannte Schauspielerin trifft auf einen Mann, der sie nicht erkennt. Klingt wie ein kleiner Zufall – ist aber der Anfang von etwas, das langsam unter die Haut geht. Dora, Anfang vierzig, erfolgreich, routiniert im Umgang mit Öffentlichkeit, begegnet Victor, einem Maler, der ihr nichts spiegelt. Kein Bewundern, kein Wiedererkennen. Für jemanden, die sonst eher mit Sonnenbrille unterwegs ist, damit sie nicht von jedem erkannt wird, ist das irritierend – und gleichzeitig befreiend.
Was folgt, ist kein klassischer Liebesroman, sondern eher ein Spiel mit Wahrnehmung. Wer sieht hier eigentlich wen? Und was passiert, wenn jemand beginnt, einen anderen festzuhalten – nicht mit Worten, sondern mit Farbe auf Leinwand? Dora will porträtiert werden. Vielleicht aus Eitelkeit. Vielleicht, weil sie wissen will, was bleibt, wenn alle Rollen wegfallen. Als sie das fertige Bild sieht, kippt etwas. Erinnerungen tauchen auf, Dinge, die lange verdrängt waren. Plötzlich wird klar: Kunst kann nicht nur zeigen, sie kann auch freilegen.
Andreas Schäfer erzählt das ruhig, fast beiläufig, aber mit einem feinen Gespür für Zwischentöne. Ein Roman über Identität, Projektion und die Frage, wie viel Wahrheit ein Bild aushält.
Jonny Sweet
»Der Kellerby Code«Ein Krimi wie ein feuchter Traum mit schlechtem Gewissen. Laut, scharf, urban aufgeladen und herrlich respektlos. Jonny Sweet tritt die Tür zum englischen Landhaus auf und zeigt, was darunter fault. Klassenhass, Begehren, Selbstverachtung und eine gehörige Portion Wahnsinn. Alles auf Anschlag.
Ein Krimi wie ein feuchter Traum mit schlechtem Gewissen. Laut, scharf, urban aufgeladen und herrlich respektlos. Jonny Sweet tritt die Tür zum englischen Landhaus auf und zeigt, was darunter fault. Klassenhass, Begehren, Selbstverachtung und eine gehörige Portion Wahnsinn. Alles auf Anschlag.
Edward will dazugehören. Um jeden Preis. Er rennt, organisiert, lächelt, schluckt Demütigungen und nennt das Freundschaft. Stanza glänzt, Robert sonnt sich im eigenen Charisma, und Edward darf den Butler spielen, emotional wie sozial. Bis er merkt, dass Liebe hier nur eine weitere Waffe ist und Loyalität etwas, das man ausnutzt, bevor man es wegwirft. Ab da kippt alles. Und zwar genüsslich.
»Der Kellerby Code« ist ein überdrehter Krimi mit schwarzem Humor, der sich immer weiter hochschaukelt, von bissiger Gesellschaftssatire zu eskalierendem Thriller, von peinlich komisch zu unerquicklich sexy. Ein Roman, der weiß, wie lächerlich und gefährlich der Wunsch sein kann, dazuzugehören. Der sich lustvoll im Absurden suhlt und dabei keine Angst hat, komplett zu entgleisen.
Das ist »Saltburn« mit mehr Schmutz unter den Fingernägeln, mehr Wut im Bauch und einem Erzähler, dem man beim inneren Zusammenbruch zusieht wie bei einem Autounfall, von dem man den Blick nicht abwenden kann. Verrucht, gnadenlos unterhaltsam und genau richtig für alle, die ihren Krimi lieber exzessiv, unangenehm und böse lesen.
Kat Eryn Rubik
»Furye«Kat Eryn Rubik ist zurück. Neu und zum Glück die Alte! Wer meint, schon alles gelesen zu haben, was der literarische Sommer an Verhängnis, Furor und Gefühl zu bieten hat, sollte »Furye« zur Hand nehmen. Das Buch brodelt und betört.
Kat Eryn Rubik ist zurück. Neu und zum Glück die Alte! Wer meint, schon alles gelesen zu haben, was der literarische Sommer an Verhängnis, Furor und Gefühl zu bieten hat, sollte »Furye« zur Hand nehmen. Das Buch brodelt und betört.
Kat Eryn Rubik erzählt von Alec. Sie ist Musikmanagerin, Vogue-Coverstar, tough, smart, unnahbar. Eine Frau, die es geschafft hat, sich hochgezogen aus einem Leben, das wenig verziehen und kaum etwas geschenkt hat. Und doch steht sie auf der Kippe und nicht unten. Ein Anruf katapultiert sie zurück in die Stadt am Meer, in den Sommer vor zwanzig Jahren, zu den Furien, wie sie sich damals nannten. Drei Mädchen, so wild wie hungrig, so voller Zorn, Begehren und Bruchkanten, dass einem beim Lesen schwindlig wird.
»Furye« ist ein Roman über die Abgründe, in die wir sehenden Auges hineinlaufen. Über Freundschaft, die an ihre Grenzen geht. Über das Erinnern, das sich wie eine offene Wunde anfühlt. Rubik schreibt so pointiert, so lakonisch scharf, dass man sich oft wünscht, ihr ein Glas Chablis rüberzuschieben und zu sagen: »Verdammt, ja. Genauso.«
Die Spannung schraubt sich nicht durch billige Twists, sondern durch eine psychologische Dichte, die einem langsam das Licht dimmt. Immer tiefer geht’s hinein in das, was nie ausgesprochen wurde. Und wenn du denkst, du hast begriffen, worauf es hinausläuft, zieht Rubik dir die elegante Bodenfliese unter den Füßen weg. Dieser Roman hat Stil. Und Zähne.
Was Rubik so besonders macht? Sie traut sich, dort zu graben, wo andere abblenden. Sie schreibt über Klasse, Körper, weibliches Begehren, über Herkunft, Verlust, Selbstermächtigung und über die Leere zwischen all dem. Sie hat Humor, Haltung, Tiefgang und Tempo. Eine Autorin, die nicht gefallen will. Die weiß, dass Schmerz keine Pointe braucht. Nur Wahrheit.
»Furye« ist ein wuchtiger, glühender, rotzfrecher Roman, der mit Grandezza erzählt, aber nie den Halt verliert. Für alle, die wissen, dass ein gutes Buch keine Sonnenliege braucht, sondern Mut.
Andrev Walden
»Scheißkerle«Ein Kind, sieben Väter, unzählige Wahrheiten. Weihnachten 1983, irgendwo in den verschneiten Wäldern Schwedens. Drinnen fliegen die Fetzen, draußen fällt der Schnee. Ein siebenjähriger Junge hört, dass sein Vater gar nicht sein Vater ist. Und aus dieser einen Enthüllung wächst eine Geschichte, die alles enthält, was Kindheit ausmacht: Sehnsucht, Schmerz, Humor, Liebe.
Noch mehr packt Andrev Walden im Interview in den Geistesblüten №25 aus.
Ein Kind, sieben Väter, unzählige Wahrheiten. Weihnachten 1983, irgendwo in den verschneiten Wäldern Schwedens. Drinnen fliegen die Fetzen, draußen fällt der Schnee. Ein siebenjähriger Junge hört, dass sein Vater gar nicht sein Vater ist. Und aus dieser einen Enthüllung wächst eine Geschichte, die alles enthält, was Kindheit ausmacht: Sehnsucht, Schmerz, Humor, Liebe.
Noch mehr packt Andrev Walden im Interview in den Geistesblüten №25 aus.
Jil Sander und Ingeborg Harms
»Hundesohn«»Hundesohn« ist ein wilder, zarter, poetischer Rausch über Liebe und Begehren, Herkunft und Glauben, über das, was Sprache verschweigt und was sie zu sagen wagt. Zeko, die Hauptfigur, taumelt zwischen Berlin und Adana, zwischen Grindr-Dates, Gebeten und Erinnerungen an Hassan, den sein Großvater nur »Hundesohn« nennt. Keskinkılıç schreibt von Körpern, die sich sehnen, und von Worten, die gleichzeitig heilen und verletzen. Ein queeres, migrantisches, hochmusikalisches Buch über Identität, Scham, Begehren und die Freiheit, alles gleichzeitig zu sein. Mehr über die süße und scharfe Sprache seiner Mutter, die Liebe zu Hassan und das Suchen nach Zuhause erzählt Ozan im exklusiven Interview im @geistesbluetenmag № 25, jetzt bestellbar auf geistesblueten.com.
»Hundesohn« ist ein wilder, zarter, poetischer Rausch über Liebe und Begehren, Herkunft und Glauben, über das, was Sprache verschweigt und was sie zu sagen wagt. Zeko, die Hauptfigur, taumelt zwischen Berlin und Adana, zwischen Grindr-Dates, Gebeten und Erinnerungen an Hassan, den sein Großvater nur »Hundesohn« nennt. Keskinkılıç schreibt von Körpern, die sich sehnen, und von Worten, die gleichzeitig heilen und verletzen. Ein queeres, migrantisches, hochmusikalisches Buch über Identität, Scham, Begehren und die Freiheit, alles gleichzeitig zu sein. Mehr über die süße und scharfe Sprache seiner Mutter, die Liebe zu Hassan und das Suchen nach Zuhause erzählt Ozan im exklusiven Interview im @geistesbluetenmag № 25, jetzt bestellbar auf geistesblueten.com.
Lukas Rietzschel
»Sanditz«Wäre »Sanditz« eine Serie, würden Sie nach der ersten Folge sagen: „Okay, passiert nicht viel“ – und drei Episoden später sitzen Sie nachts um 2 da und denken: „Verdammt, das ist mein Leben.“
Wäre »Sanditz« eine Serie, würden Sie nach der ersten Folge sagen: „Okay, passiert nicht viel“ – und drei Episoden später sitzen Sie nachts um 2 da und denken: „Verdammt, das ist mein Leben.“
Rietzschel nimmt uns mit in eine fiktive Kleinstadt in der Lausitz – klingt erstmal nach Provinz, ist aber eigentlich ein universelles Setting: Familie, Streit, Liebe, politische Spannungen, das ganze Paket. Weihnachten 2021, Corona hängt wie Nebel in der Luft, und ein ungeimpfter Bruder reicht, um eine Familie komplett auseinanderzudividieren. Klingt bekannt? Eben. Dann cut: DDR, 70er/80er. Kirchen als Safe Spaces, heimlich kopierte Bücher, kleine Akte von Widerstand zwischen Alltag und Anpassung. Keine großen Helden, sondern Leute, die einfach nur versuchen, irgendwie klarzukommen – damals wie heute.
Das Cleverste daran: Der Roman erklärt nichts. Keine moralische Voice-over-Stimme, kein „So musst du das verstehen“. Stattdessen lässt er seine Figuren reden, zweifeln, sich verlieren und wiederfinden. Und plötzlich merkst du: Diese Ost-West-Debatten, diese Stadt-Land-Spannungen, diese Sehnsucht nach „früher war alles besser“ – das ist kein deutsches Spezialthema. Das ist globaler Stoff. »Sanditz« ist messy, widersprüchlich, überladen an Stellen – also ziemlich genau wie die Realität.
Katerina Poladjan
»Goldstrand«»Ein Ort, der nach goldenem Glanz klingt, nach Hoffnung auf Glück und Reichtum« – so beschreibt Katerina Poladjan den Goldstrand, jenen real existierenden Ferienort an der bulgarischen Schwarzmeerküste, der ihrem neuen Roman seinen Titel gibt. Doch wer glaubt, hier handele es sich um eine Sommergeschichte, irrt. »Goldstrand« ist ein schillerndes Mosaik aus Erinnerung, Ideologie und Illusion, eine Erkundung dessen, was von den großen Versprechen Europas geblieben ist.
Zwischen Odessa, Warna, Rom und Istanbul entfaltet Poladjan eine filmische Erzählung über Flucht, Familie und Fiktion. Ihr Protagonist Eli, Regisseur, Sohn, Suchender, liegt auf der Couch seiner römischen Analytikerin und versucht, die Fragmente einer Familiengeschichte zusammenzufügen, die zugleich seine eigene ist. Die Grenzen zwischen Traum und Realität, Geschichte und Projektion verschwimmen in dieser Prosa, die leichtfüßig erzählt und doch von Schwere weiß.
»Ein Ort, der nach goldenem Glanz klingt, nach Hoffnung auf Glück und Reichtum« – so beschreibt Katerina Poladjan den Goldstrand, jenen real existierenden Ferienort an der bulgarischen Schwarzmeerküste, der ihrem neuen Roman seinen Titel gibt. Doch wer glaubt, hier handele es sich um eine Sommergeschichte, irrt. »Goldstrand« ist ein schillerndes Mosaik aus Erinnerung, Ideologie und Illusion, eine Erkundung dessen, was von den großen Versprechen Europas geblieben ist.
Zwischen Odessa, Warna, Rom und Istanbul entfaltet Poladjan eine filmische Erzählung über Flucht, Familie und Fiktion. Ihr Protagonist Eli, Regisseur, Sohn, Suchender, liegt auf der Couch seiner römischen Analytikerin und versucht, die Fragmente einer Familiengeschichte zusammenzufügen, die zugleich seine eigene ist. Die Grenzen zwischen Traum und Realität, Geschichte und Projektion verschwimmen in dieser Prosa, die leichtfüßig erzählt und doch von Schwere weiß.
Mattia Insolia
»Brennende Himmel«Winter 2019 – Niccolò ist Teenager, er trinkt, gibt sich unnahbar und handelt rücksichtslos. Ein adoleszenter Panzer gegen die süditalienische Hoffnungslosigkeit und seinen ausgelaugten, gescheiterten Vater Riccardo. Als der ihn zu einem gemeinsamen Roadtrip überredet, wird Niccolò mit der Vergangenheit seiner Eltern konfrontiert. Sommer 2000 – Teresa macht mit ihren Eltern Ferien in Camporotondo. Sie hat Träume, ist neugierig und gleichzeitig verunsichert von der Welt um sie herum. Während des Urlaubs in Sizilien lernt sie Riccardo kennen. Er ist schön und verwegen, sie verliebt sich. Aber Niccolò und sein Vater verstehen sich nicht. Reißt der eine den anderen mit in den Abgrund?
Winter 2019 – Niccolò ist Teenager, er trinkt, gibt sich unnahbar und handelt rücksichtslos. Ein adoleszenter Panzer gegen die süditalienische Hoffnungslosigkeit und seinen ausgelaugten, gescheiterten Vater Riccardo. Als der ihn zu einem gemeinsamen Roadtrip überredet, wird Niccolò mit der Vergangenheit seiner Eltern konfrontiert. Sommer 2000 – Teresa macht mit ihren Eltern Ferien in Camporotondo. Sie hat Träume, ist neugierig und gleichzeitig verunsichert von der Welt um sie herum. Während des Urlaubs in Sizilien lernt sie Riccardo kennen. Er ist schön und verwegen, sie verliebt sich. Aber Niccolò und sein Vater verstehen sich nicht. Reißt der eine den anderen mit in den Abgrund?
Geistesblüten AUTOREN BÜCHER KÜNSTLER
Die Geistesblüten am Berliner Walter-Benjamin-Platz - direkt am Ku'damm zwischen Wieland- und LeibnizstraßeSie suchen aktuelle Literaturempfehlungen, besondere Künstlereditionen und raffiniertes Design?
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
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Birgit Birnbacher
»Sie wollen uns erzählen«Ein Junge mit ADHS, eine Mutter, die ähnlich funktioniert, und ein Alltag, der sich anfühlt wie ein Dauergewitter. Klingt erstmal nach Überforderung – und ist es auch. Aber eben nicht nur.
Ein Junge mit ADHS, eine Mutter, die ähnlich funktioniert, und ein Alltag, der sich anfühlt wie ein Dauergewitter. Klingt erstmal nach Überforderung – und ist es auch. Aber eben nicht nur.
Oz und Ann leben in einer Welt, in der Gedanken schneller sind als Regeln, Gefühle lauter als alles andere. Schule klappt nur so mittel, Erwartungen prallen ab, und gleichzeitig gibt es diese enge, fast verschwörerische Verbindung zwischen den beiden. Sie erzählen sich Geschichten, überdrehen Situationen, flüchten sich ins Fantastische – nicht aus Eskapismus, sondern weil es manchmal die einzige Möglichkeit ist, die Realität auszuhalten. Dann verschwindet die Großmutter in den Bergen. Und plötzlich bekommt dieses ohnehin schon vibrierende Leben eine Richtung. Eine Suche beginnt, die gleichzeitig Roadtrip, Selbstvergewisserung und leises Familiendrama ist.
Birgit Birnbacher schreibt schnell und bildstark. Die Sätze haben Tempo, manchmal stolpern sie. Aber nicht zufällig, sondern wegen der inneren Unruhe ihrer Figuren. Bis dieses nervöse Flackern nach und nach gleichmäßiger wird, sich der Atem fängt, Momente überraschend still werden. Das Entscheidende: Dieser Roman erklärt nichts weg. Er versucht nicht, ADHS zu „verstehen“ oder zu glätten. Stattdessen zeigt er, wie sich die Welt anfühlen kann, wenn sie ständig zu laut ist. Und wie viel Kreativität, Nähe und auch Zärtlichkeit genau darin liegen.
Rumaan Alam
»Entitlement«Spätestens seit der Netflix-Verfilmung seines packenden Romans »Inmitten der Nacht« Julia Roberts, Ethan Hawke und Mahershala Ali haben Leser mit seinem Namen einen Googlealarm verknüpft. Rumaan Alam ist eine der packensten neuen literarischen Stimmen der USA.
Spätestens seit der Netflix-Verfilmung seines packenden Romans »Inmitten der Nacht« Julia Roberts, Ethan Hawke und Mahershala Ali haben Leser mit seinem Namen einen Googlealarm verknüpft. Rumaan Alam ist eine der packensten neuen literarischen Stimmen der USA.
Sein neuer Roman über Geld und Moral heißt »Entitlement«. Eigentlich fehlt Brooke nichts. Ihr geht es gut, trotzdem hat sie Wünsche. Vor allem soll ihr Sein einen Sinn haben. Sie möchte etwas in der Welt bewirken, ihre Mutter beeindrucken, Zeit mit Freunden verbringen und sich ihre Unabhängigkeit sichern. Ihr Job als Assistentin eines achtzigjährigen Milliardärs könnte ihr bei der Verwirklichung helfen. Der Mann möchte ein riesiges Vermögen verschenken will. Was aber, wenn plötzlicher Reichtum alles bisherige auf den Kopf stellt und die Sehnsüchte gelich mit? Ist Geld eine eigene Religion? Eine Art gruppendynamischer Glauben? Bei Alam ist Brooke eine ehrgeizige junge Afroamerikanker, der reiche Amerikaner ist weiß. Er fühlt sich von ihrer Intelligenz angezogen, von ihrer Weigerung, respektvoll zu sein, vielleicht auch von ihrer Hautfarbe. Seine Macht und sein Geld machen ihn für sie attraktiv. Genau wie seine offensichtliche Bereitschaft, beides mit ihr zu teilen.
Wer von ihr geht weit genug, um zu bekommen, was sie und er glaubt, zu verdienen?
Victor Schefé
Zwei, drei blaue Augen«Berlin, 1985. Zwischen grauen Wänden, Neonlicht und der ständigen Angst, beobachtet zu werden, wagt Tassilo das Ungeheuerliche: Er liebt – offen, zärtlich, schwul. Victor Schefé erzählt in »Zwei, drei blaue Augen« eine Geschichte, die zugleich persönlich und politisch ist: ein Roman über Mut, Freiheit und den Preis, den man zahlt, wenn man sich selbst treu bleibt. Briefe, Stasiakten, Popmusik und erste große Lieben verweben sich zu einem Soundtrack des Aufbegehrens – irgendwo zwischen Rostock, Prag und einem Kuss im Družba-Warenhaus. Schefé, Schauspieler, Freigeist, Legende in Arbeit, blickt zurück – ohne Nostalgie, aber mit glühender Klarheit. Und ja, er weiß, dass Wut auch Energie ist. Dass Schreiben manchmal die lauteste Form von Überleben ist. In GEISTESBLÜTEN № 25 spricht Victor Schefé exklusiv über den jungen Mann, der er war, über die Sehnsucht, frei zu atmen, und darüber, warum Popmusik und queere Liebe Revolutionen anzetteln können.
Ein Buch wie ein Herzschlag.
Berlin, 1985. Zwischen grauen Wänden, Neonlicht und der ständigen Angst, beobachtet zu werden, wagt Tassilo das Ungeheuerliche: Er liebt – offen, zärtlich, schwul. Victor Schefé erzählt in »Zwei, drei blaue Augen« eine Geschichte, die zugleich persönlich und politisch ist: ein Roman über Mut, Freiheit und den Preis, den man zahlt, wenn man sich selbst treu bleibt. Briefe, Stasiakten, Popmusik und erste große Lieben verweben sich zu einem Soundtrack des Aufbegehrens – irgendwo zwischen Rostock, Prag und einem Kuss im Družba-Warenhaus. Schefé, Schauspieler, Freigeist, Legende in Arbeit, blickt zurück – ohne Nostalgie, aber mit glühender Klarheit. Und ja, er weiß, dass Wut auch Energie ist. Dass Schreiben manchmal die lauteste Form von Überleben ist. In GEISTESBLÜTEN № 25 spricht Victor Schefé exklusiv über den jungen Mann, der er war, über die Sehnsucht, frei zu atmen, und darüber, warum Popmusik und queere Liebe Revolutionen anzetteln können.
Ein Buch wie ein Herzschlag.
Dale Grant
»Face: the Berlin Art Scene«Was passiert mit einer Kunstszene, wenn Räume knapp werden, Förderungen schwinden und die kreative Energie trotzdem brodelt? Dale Grant hat sich dieser Frage gestellt mit der Kamera, seinem Blick und seiner unbestechlichen Neugier. In »Face: the Berlin Art Scene« porträtiert er über 200 Künstler:innen beim Malen, Hämmern, Schweißen, Denken oder einfach beim Tee. Ein Kaleidoskop Berlins, bekannte Namen, experimentierfreudige Newcomer, leise Stimmen, entschlossene Individualisten.
Grant pendelt zwischen Berlin und Rotterdam, zwei Städte mit je eigener künstlerischer Sprache, eigenem Rhythmus und sehr unterschiedlichen Bedingungen für Kulturschaffende. Sein Buch, mit Vorworten von Elke Buhr und Larissa Kikol, zeigt: Hier mag es Posen geben, aber keine Effekthascherei. Es geht um Haltung, Überleben, Atemraum, um die Frage, wie Kunst und Freiheit in einer Stadt bestehen, die beides immer enger zieht. Für @geistesbluetenmag № 25 haben wir mit Dale Grant über seine Erfahrungen in der Berliner Kunstszene gesprochen, über die kleinen Momente vor der Kamera, die großen Fragen hinter der Kunst, warum Selbstporträts manchmal mehr sagen als tausend Worte und seinen absolut begnadeten Buchdesigner.
Was passiert mit einer Kunstszene, wenn Räume knapp werden, Förderungen schwinden und die kreative Energie trotzdem brodelt? Dale Grant hat sich dieser Frage gestellt mit der Kamera, seinem Blick und seiner unbestechlichen Neugier. In »Face: the Berlin Art Scene« porträtiert er über 200 Künstler:innen beim Malen, Hämmern, Schweißen, Denken oder einfach beim Tee. Ein Kaleidoskop Berlins, bekannte Namen, experimentierfreudige Newcomer, leise Stimmen, entschlossene Individualisten.
Grant pendelt zwischen Berlin und Rotterdam, zwei Städte mit je eigener künstlerischer Sprache, eigenem Rhythmus und sehr unterschiedlichen Bedingungen für Kulturschaffende. Sein Buch, mit Vorworten von Elke Buhr und Larissa Kikol, zeigt: Hier mag es Posen geben, aber keine Effekthascherei. Es geht um Haltung, Überleben, Atemraum, um die Frage, wie Kunst und Freiheit in einer Stadt bestehen, die beides immer enger zieht. Für @geistesbluetenmag № 25 haben wir mit Dale Grant über seine Erfahrungen in der Berliner Kunstszene gesprochen, über die kleinen Momente vor der Kamera, die großen Fragen hinter der Kunst, warum Selbstporträts manchmal mehr sagen als tausend Worte und seinen absolut begnadeten Buchdesigner.
Gaea Schoeters
»Trophäe«Gaea Schoeters Roman »Trophäe« ist der Schuss, der die Stille zerreißt und die Bubble zum Platzen bringt, in der wir unser Werteverständnis und die Moral auf Kissen gebettet haben. In den Niederlanden sorgt der Roman bereits für großes Aufsehen. Der millionenschwere Amerikaner Hunter ist passionierter Jäger. Er hatte schon einiges vor der Flinte. Aber für die Big Five müsste er ein Nashorn schießen. Sein Kumpel Van Heeren hat eine folgendschwere Idee… aber der Triumph in Afrika wird von Wilderern durchkreuzt. Hunter könnte ausrasten! Da schlägt Van Heeren ihm die Big Six vor. Lisa Mensing hat diesen gewaltigen Roman ins Deutsche übersetzt. Ein Interview mit Gaea Schoeters erscheint im Geistesblüten Magazin No. 22, in dem sie auch über den grausamen Reiz des eigentlich Undenkbaren spricht.
Gaea Schoeters Roman »Trophäe« ist der Schuss, der die Stille zerreißt und die Bubble zum Platzen bringt, in der wir unser Werteverständnis und die Moral auf Kissen gebettet haben. In den Niederlanden sorgt der Roman bereits für großes Aufsehen. Der millionenschwere Amerikaner Hunter ist passionierter Jäger. Er hatte schon einiges vor der Flinte. Aber für die Big Five müsste er ein Nashorn schießen. Sein Kumpel Van Heeren hat eine folgendschwere Idee… aber der Triumph in Afrika wird von Wilderern durchkreuzt. Hunter könnte ausrasten! Da schlägt Van Heeren ihm die Big Six vor. Lisa Mensing hat diesen gewaltigen Roman ins Deutsche übersetzt. Ein Interview mit Gaea Schoeters erscheint im Geistesblüten Magazin No. 22, in dem sie auch über den grausamen Reiz des eigentlich Undenkbaren spricht.
Angela Steidele
»Ins Dunkel«Autor:innen lesen Geistesblüten. Wie Angela Steidele.
Im @geistesbluetenmag № 25 nimmt sie uns mit »Ins Dunkel«.
Wir sitzen im Kino.
Auf der Leinwand: Greta Garbo und Erika Mann, 1969, irgendwo in den Schweizer Alpen. Zwei Frauen, die das 20. Jahrhundert gelebt, geliebt, überlebt haben. Sie erinnern sich – an die Roaring Twenties, an Berliner Nächte, an den Moment, als der Ton den Stummfilm ablöste und die Welt zu flackern begann.
Angela Steidele erzählt diese Geschichte, als würde sie sie projizieren. Ihr Roman »Ins Dunkel« ist kein Buch, das man nur liest – er läuft, atmet, schneidet, überblendet. Ein Film auf Papier. Mit Special Effects aus Sprache, Rhythmus und Recherche. Sie inszeniert nicht nur, sie komponiert. Ihre Genauigkeit ist filmisch, ihr Wissen enzyklopädisch, ihr Stil unverwechselbar.
Garbo, Dietrich, Mann – drei Ikonen, drei Rollen im Spiel zwischen Begehren, Erinnerung und Macht. Und Steidele? Die Regisseurin im Hintergrund, die weiß, dass jede Szene politisch ist. Denn sie schreibt nicht über Glamour, sondern über Verantwortung. Über Kunst, die leuchtet, während die Welt ins Dunkel glitt – und wieder gleitet.
»Ins Dunkel« ist eine Hommage an das Kino, an die queere Kulturgeschichte und an die Kunst, sich nicht zum Schweigen bringen zu lassen.
Autor:innen lesen Geistesblüten. Wie Angela Steidele.
Im @geistesbluetenmag № 25 nimmt sie uns mit »Ins Dunkel«.
Wir sitzen im Kino.
Auf der Leinwand: Greta Garbo und Erika Mann, 1969, irgendwo in den Schweizer Alpen. Zwei Frauen, die das 20. Jahrhundert gelebt, geliebt, überlebt haben. Sie erinnern sich – an die Roaring Twenties, an Berliner Nächte, an den Moment, als der Ton den Stummfilm ablöste und die Welt zu flackern begann.
Angela Steidele erzählt diese Geschichte, als würde sie sie projizieren. Ihr Roman »Ins Dunkel« ist kein Buch, das man nur liest – er läuft, atmet, schneidet, überblendet. Ein Film auf Papier. Mit Special Effects aus Sprache, Rhythmus und Recherche. Sie inszeniert nicht nur, sie komponiert. Ihre Genauigkeit ist filmisch, ihr Wissen enzyklopädisch, ihr Stil unverwechselbar.
Garbo, Dietrich, Mann – drei Ikonen, drei Rollen im Spiel zwischen Begehren, Erinnerung und Macht. Und Steidele? Die Regisseurin im Hintergrund, die weiß, dass jede Szene politisch ist. Denn sie schreibt nicht über Glamour, sondern über Verantwortung. Über Kunst, die leuchtet, während die Welt ins Dunkel glitt – und wieder gleitet.
»Ins Dunkel« ist eine Hommage an das Kino, an die queere Kulturgeschichte und an die Kunst, sich nicht zum Schweigen bringen zu lassen.
Tash Aw
»Fremde am Pier«Tash Aw wurde als Kind malaysischer Eltern 1971 in Taiwan geboren und wuchs in Kuala Lumpur auf. Er studierte Jura in Großbritannien, veröffentlichte mehrere Romane. Er wurde zweimal für den Man Booker Prize nominiert. In »Fremde am Pier« (übersetzt von Pociao und Roberto de Hollanda) erzählt er mit Blick auf seine malaysisch-chinesische Familie eine zutiefst persönliche Geschichte des modernen Asiens. Vielleicht beginnt alles an der Universität in England. Da sitzt er beim Lunch inmitten von Kommilitonen, die ihren Stammbaum Generation um Generation herunterbeten können. Und er? Weiß nicht einmal genau, wo seine Großmutter aufgewachsen ist. Tash Aw macht sich auf die Suche, und was er findet, ist nichts weniger als der Kontinent, den er in sich trägt. Von einer Taxifahrt durch das heutige Bangkok über die Besuche bei Kentucky Fried Chicken im Kuala Lumpur seiner Kindheit bis zu den gefährlichen Bootsüberfahrten von China nach Malaysia, die seine Großväter in den Zwanzigerjahren antraten.
Tash Aw wurde als Kind malaysischer Eltern 1971 in Taiwan geboren und wuchs in Kuala Lumpur auf. Er studierte Jura in Großbritannien, veröffentlichte mehrere Romane. Er wurde zweimal für den Man Booker Prize nominiert. In »Fremde am Pier« (übersetzt von Pociao und Roberto de Hollanda) erzählt er mit Blick auf seine malaysisch-chinesische Familie eine zutiefst persönliche Geschichte des modernen Asiens. Vielleicht beginnt alles an der Universität in England. Da sitzt er beim Lunch inmitten von Kommilitonen, die ihren Stammbaum Generation um Generation herunterbeten können. Und er? Weiß nicht einmal genau, wo seine Großmutter aufgewachsen ist. Tash Aw macht sich auf die Suche, und was er findet, ist nichts weniger als der Kontinent, den er in sich trägt. Von einer Taxifahrt durch das heutige Bangkok über die Besuche bei Kentucky Fried Chicken im Kuala Lumpur seiner Kindheit bis zu den gefährlichen Bootsüberfahrten von China nach Malaysia, die seine Großväter in den Zwanzigerjahren antraten.
Meron Mendel, Saba-Nur Cheema und Sasha Marianna Salzmann
Drei, die was zu sagen habenNicht das erste Mal zieht dieses besondere Trio die Blicke auf sich. Meron Mendel und Saba-Nur Cheema blättern konzentriert im @geistesbluetenmag №25, Sasha Marianna Salzmann studiert aufmerksam die Seiten. Jedem von ihnen fällt sofort etwas ins Auge: Das zweisprachige Kulturmagazin bietet dichte, vielschichtige Einblicke in Identität, Zugehörigkeit und künstlerische Reflexion.
Die gemeinsame Auseinandersetzung macht den Moment spürbar. Mendels analytische Präzision, Cheemas klare, pointierte Perspektive und Salzmanns kreative Sensibilität verschränken sich zu einem harmonischen Ganzen. Für alle drei ist es eine Art doppeltes Wiedersehen: Sie mögen und schätzen sich sehr und haben alle in früheren Geistesblüten Einblicke in ihre Gedanken gegeben. Danke für diesen besonderen Moment.
Nicht das erste Mal zieht dieses besondere Trio die Blicke auf sich. Meron Mendel und Saba-Nur Cheema blättern konzentriert im @geistesbluetenmag №25, Sasha Marianna Salzmann studiert aufmerksam die Seiten. Jedem von ihnen fällt sofort etwas ins Auge: Das zweisprachige Kulturmagazin bietet dichte, vielschichtige Einblicke in Identität, Zugehörigkeit und künstlerische Reflexion.
Die gemeinsame Auseinandersetzung macht den Moment spürbar. Mendels analytische Präzision, Cheemas klare, pointierte Perspektive und Salzmanns kreative Sensibilität verschränken sich zu einem harmonischen Ganzen. Für alle drei ist es eine Art doppeltes Wiedersehen: Sie mögen und schätzen sich sehr und haben alle in früheren Geistesblüten Einblicke in ihre Gedanken gegeben. Danke für diesen besonderen Moment.
Thomas Pynchon
»Schattennummer«Schon der erste Satz sitzt: Wenn Ärger in die Stadt kommt, nimmt er meist die North-Shore-Linie. Damit ist der Ton gesetzt – rau, filmisch, abgründig komisch. In »Schattennummer« schickt Thomas Pynchon seinen Detektiv Hicks McTaggart durch das Jahr 1932: von Chicago nach Milwaukee, von Schmugglerkneipen über Swingclubs bis ins faschistisch aufgeladene Europa.
Schon der erste Satz sitzt: Wenn Ärger in die Stadt kommt, nimmt er meist die North-Shore-Linie. Damit ist der Ton gesetzt – rau, filmisch, abgründig komisch. In »Schattennummer« schickt Thomas Pynchon seinen Detektiv Hicks McTaggart durch das Jahr 1932: von Chicago nach Milwaukee, von Schmugglerkneipen über Swingclubs bis ins faschistisch aufgeladene Europa.
Was als klassische Detektivgeschichte beginnt – die Suche nach der verschwundenen Tochter eines Käsebarons – explodiert bald in ein paranoides, aber funkelndes Chaos aus Spionage, U-Booten, Paraphysik und Jazz. Pynchon bleibt der Meister der Unübersichtlichkeit, ein Chronist der Entropie, der inmitten des Irrsinns die Gegenwart spiegelt: eine Welt, in der Macht offen agiert und Wahrheit keine Tiefe mehr hat.
Die Übersetzung von Stingl und van Gunsteren hält das irrwitzige Tempo glänzend durch. »Schattennummer« ist Pynchons zugänglichstes Buch seit Jahren – wild, klug, bitterkomisch.
Fazit: Eine Spionagegeschichte als Spiegel unserer Zeit. Lesen. Unbedingt.
Julia Terjung
»still photography«»Viel Leidenschaft, Notwendigkeit, Sehnsucht, Glück, Neugierde und immer wieder Leidenschaft. Für das, was man tut, was man sucht. Erzählen von Geschichten im Stillstand. Im besten Fall genau den Moment erwischen, den man sich erhofft hat und oft hat auch kommen sieht. Ich glaube, dass geht allen Standfotografen so. Für mich sind diese Momente wie ein aufziehendes Gewitter. Man hört das Grollen und fiebert dem Moment entgegen, in dem der Blitz einschlägt. Man beobachtet und dann ist es da. Ein Wimpernschlag des Schauspielers, eine leichte Drehung des Kopfes, 2 Schritte mehr, um in einem guten Winkel oder im perfekten Licht zu stehen. Ich liebe das. Vor allem, wenn unsere Suche, das Warten, die Ausdauer und die manchmal sehr verkrampfte, bewegungslose Körperhaltung, bei der man oft versucht, nicht zu atmen, belohnt wird. Man stand an der richtigen Stelle und blieb fast oder gar unbemerkt. Wie ein Ninja. Aber dennoch Teil des Prozesses und des Ganzen. Das muss nicht gleich beim allerersten Take sein. Darum ist es wichtig alles mitzunehmen. Jeder Take ist anders und hat seine eigene Berechtigung fotografiert zu werden. Ich glaube an das Erkennen von Rhythmen, Inhalten und Räumen zugleich, die sich in einer wiederholenden Situation, einer Filmszene oder auch bei einem Portrait so darstellen lassen, dass man Alternativen ausschließen mag und das Gefühl hat, ja, genau das ist es. Es ist wichtig, dass Szenen nicht nachgestellt werden, sondern man die volle Energie, Dynamik und Emotion der Schauspieler, die sie in einer Szene rausholen, zeitgleich einfängt. Man muss jedes Mal aufs neue eine fotografische Balance zwischen seinem eigenen Stil und dem noch Fremden finden. Man muss sich unterordnen—und seine Arbeit an das jeweilige Set angleichen können.«
»Viel Leidenschaft, Notwendigkeit, Sehnsucht, Glück, Neugierde und immer wieder Leidenschaft. Für das, was man tut, was man sucht. Erzählen von Geschichten im Stillstand. Im besten Fall genau den Moment erwischen, den man sich erhofft hat und oft hat auch kommen sieht. Ich glaube, dass geht allen Standfotografen so. Für mich sind diese Momente wie ein aufziehendes Gewitter. Man hört das Grollen und fiebert dem Moment entgegen, in dem der Blitz einschlägt. Man beobachtet und dann ist es da. Ein Wimpernschlag des Schauspielers, eine leichte Drehung des Kopfes, 2 Schritte mehr, um in einem guten Winkel oder im perfekten Licht zu stehen. Ich liebe das. Vor allem, wenn unsere Suche, das Warten, die Ausdauer und die manchmal sehr verkrampfte, bewegungslose Körperhaltung, bei der man oft versucht, nicht zu atmen, belohnt wird. Man stand an der richtigen Stelle und blieb fast oder gar unbemerkt. Wie ein Ninja. Aber dennoch Teil des Prozesses und des Ganzen. Das muss nicht gleich beim allerersten Take sein. Darum ist es wichtig alles mitzunehmen. Jeder Take ist anders und hat seine eigene Berechtigung fotografiert zu werden. Ich glaube an das Erkennen von Rhythmen, Inhalten und Räumen zugleich, die sich in einer wiederholenden Situation, einer Filmszene oder auch bei einem Portrait so darstellen lassen, dass man Alternativen ausschließen mag und das Gefühl hat, ja, genau das ist es. Es ist wichtig, dass Szenen nicht nachgestellt werden, sondern man die volle Energie, Dynamik und Emotion der Schauspieler, die sie in einer Szene rausholen, zeitgleich einfängt. Man muss jedes Mal aufs neue eine fotografische Balance zwischen seinem eigenen Stil und dem noch Fremden finden. Man muss sich unterordnen—und seine Arbeit an das jeweilige Set angleichen können.«
Julia Terjung für »still photography« in der Edition Geistesblüten
2022 wurde Julia Terjung in die renommierte Hollywoodorganisation Society of Motion Pictures Still Photographers berufen.
Anja Kampmann
»Die Wut ist ein heller Stern«Anja Kampmanns »Die Wut ist ein heller Stern« (Hanser) entführt in das Hamburg der 1930er-Jahre, in das raue Hafenviertel von St. Pauli. Im Mittelpunkt steht Hedda, eine junge Seiltänzerin im Varieté »Alkazar«, die zwischen Armut, Gefahr und der drohenden Macht der Nazis ihren Weg sucht. Hedda kämpft um Freiheit, trotzt vorgegebenen Rollen und sorgt für ihren kleinen Bruder Pauli, während Freunde und Familie zunehmend unter Druck geraten.
Anja Kampmanns »Die Wut ist ein heller Stern« (Hanser) entführt in das Hamburg der 1930er-Jahre, in das raue Hafenviertel von St. Pauli. Im Mittelpunkt steht Hedda, eine junge Seiltänzerin im Varieté »Alkazar«, die zwischen Armut, Gefahr und der drohenden Macht der Nazis ihren Weg sucht. Hedda kämpft um Freiheit, trotzt vorgegebenen Rollen und sorgt für ihren kleinen Bruder Pauli, während Freunde und Familie zunehmend unter Druck geraten.
Kampmann erzählt aus Heddas Sicht – nah, subjektiv und poetisch. Kleine Momente von Wut, Zuneigung und Angst werden spürbar, ohne dass alles erklärt werden muss. Die poetische Sprache und eindringliche Metaphorik machen das Hamburg der 1930er-Jahre lebendig: Ein Ort, an dem Bühne und Leben, Hoffnung und Bedrohung gefährlich nahe beieinanderliegen.
Mit »Die Wut ist ein heller Stern« gelingt Kampmann ein außergewöhnliches Leseerlebnis, das Mut, Überlebenswillen und den sozialen Abgrund einer aufziehenden Diktatur eindrucksvoll spürbar macht – zu Recht mit dem Hans-Fallada-Preis 2026 ausgezeichnet.
Jörg Hartmann
»Der Lärm des Lebens«Er sieht nicht nur nach zehn von zehn Punkten aus, Jörg Hartmann schreibt auch so. »Der Lärm des Lebens« nennt er seine mitreißenden Erinnerungen in Prosa, die bei Rowohlt Berlin erschienen. Er könnte auf dicke Hose machen, macht er aber nicht.
Wir sprachen mit ihm über Kindheit, seine Eltern und Großeltern und über die Kondition, die es braucht, wenn man Schauspieler:in werden möchte. Irgendwann wird er vielleicht den Bulettenrekord seines Vaters toppen. Ganz sicher sitzt der Ex-Handballdtrainer jetzt auf einer Wolke und jubelt seinem Sohn zu. Zurecht! Im Geistesblüten Magazin No.22 verrät Jörg Hartmann, wen er auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Der Mann ist ein Fuchs!
Er sieht nicht nur nach zehn von zehn Punkten aus, Jörg Hartmann schreibt auch so. »Der Lärm des Lebens« nennt er seine mitreißenden Erinnerungen in Prosa, die bei Rowohlt Berlin erschienen. Er könnte auf dicke Hose machen, macht er aber nicht.
Wir sprachen mit ihm über Kindheit, seine Eltern und Großeltern und über die Kondition, die es braucht, wenn man Schauspieler:in werden möchte. Irgendwann wird er vielleicht den Bulettenrekord seines Vaters toppen. Ganz sicher sitzt der Ex-Handballdtrainer jetzt auf einer Wolke und jubelt seinem Sohn zu. Zurecht! Im Geistesblüten Magazin No.22 verrät Jörg Hartmann, wen er auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Der Mann ist ein Fuchs!
Pascal Garnier
»Zu nah am Abgrund«Pascal Garnier erhöht von Seite zu Seite die Temperatur. Komplex wie Patricia Highsmith, knackig wie Georges Simenon. Seine Noir-Novellen spielen in kleinen Küstenstädten und in der Landschaft der Ardeche. HIer genießt Éliette ihre Rente, allerdings nicht ohne Bitterkeit. Ihr Ehemann ist tot, die Kinder leben weit entfernt. Keine Freunde weit und breit. Und noch dazu kein Sex. Eines Tages, als über dem Dorf ein Gewitter niedergeht, gewährt sie einem attraktiven Vierzigjährigen, der sich auf dem Land verfahren hat, bei sich Unterschlupf. Doch kaum hat der Kleinganove Éliettes Haus betreten, explodiert ihre Welt geradezu: Der Sohn der Nachbarn kommt bei einem Autounfall ums Leben, eine durchgedrehte junge Frau nistet sich bei ihr ein und auf einmal tauchen zwei Kilo Kokain auf.Achtung vor dem Alter, das nur scheinbar schläft …… in diesem Alter schreit man nicht mehr, man stöhnt nicht mehr, man vögelt ganz leise, damit einen der Tod nicht hört.
Pascal Garnier erhöht von Seite zu Seite die Temperatur. Komplex wie Patricia Highsmith, knackig wie Georges Simenon. Seine Noir-Novellen spielen in kleinen Küstenstädten und in der Landschaft der Ardeche. HIer genießt Éliette ihre Rente, allerdings nicht ohne Bitterkeit. Ihr Ehemann ist tot, die Kinder leben weit entfernt. Keine Freunde weit und breit. Und noch dazu kein Sex. Eines Tages, als über dem Dorf ein Gewitter niedergeht, gewährt sie einem attraktiven Vierzigjährigen, der sich auf dem Land verfahren hat, bei sich Unterschlupf. Doch kaum hat der Kleinganove Éliettes Haus betreten, explodiert ihre Welt geradezu: Der Sohn der Nachbarn kommt bei einem Autounfall ums Leben, eine durchgedrehte junge Frau nistet sich bei ihr ein und auf einmal tauchen zwei Kilo Kokain auf.Achtung vor dem Alter, das nur scheinbar schläft …… in diesem Alter schreit man nicht mehr, man stöhnt nicht mehr, man vögelt ganz leise, damit einen der Tod nicht hört.
Paul Auster und Spencer Ostrander
»Bloodbath Nation«Paul Auster und sein Schwiegersohn Spencer Ostrander haben sich noch tatkräftig an unserer Magazinausgabe No. 22 beteiligt. Spencer Ostrander schrieb für uns ein exklusives Essay über das gemeinsame Buch »Bloodbath Nation«, Paul Auster redigierte und steuerte seine Erzählung »1970« bei. Eine große Geste, die wir den beiden sicher nicht vergessen werden.
Paul Auster und sein Schwiegersohn Spencer Ostrander haben sich noch tatkräftig an unserer Magazinausgabe No. 22 beteiligt. Spencer Ostrander schrieb für uns ein exklusives Essay über das gemeinsame Buch »Bloodbath Nation«, Paul Auster redigierte und steuerte seine Erzählung »1970« bei. Eine große Geste, die wir den beiden sicher nicht vergessen werden.
Der Fotograf Spencer Ostrander konnte mit Paul Auster über alles reden. Dabei konnte es auch richtig hitzig zugehen, wie an dem folgenreichen Abend als Spencer sich bei einem Besuch bei seinem Schwiegervater so richtig Luft machte, weil ihm in der Nacht zuvor der Kragen geplatzt war. Zum x-ten Mal hatte er über eine brutale Schießerei in seinem Heimatland gelesen. Danach konnte er nicht mehr schlafen. Weil jedes Jahr in den USA viele tausend Menschen im Kugelhagel eines »mass shootings« sterben, empfand es Spencer als Bürgerpflicht und Auftrag als Künstler dagegen etwas zu tun. Also reiste er durchs Land und dokumentierte die Orte aller Massaker der letzten zwei Jahrzehnte. Zweieinhalb Jahre war der Künstler unterwegs, in denen er Fotos von fast 40 Orten machte. Als er sie den Eltern seiner Frau Sophie, Siri Hustvedt und Paul Auster, zeigte, ermutigte Paul ihn zu einem Buch, zu dem er gern sehr persönliche Texte schreiben würde. Jetzt ist da, und gleichzeitig nicht nur literarisches Vermächtnis.
Christina Caprez
»Queer Kids« und »Die illegale Pfarrerin«Sie schrieb über die erste Schweizer Pfarrerin, deren Wahl durch die Gemeinde einen Skandal auslöste. Jetzt sprach sie mit viel Wärme und gaz ohne Pathos mit 15 »Queer Kids« über Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung und Selbstausdruck. Sie alle wünschen sich eine Zukunft, in der jeder Mensch sich selbst sein kann.
Sie schrieb über die erste Schweizer Pfarrerin, deren Wahl durch die Gemeinde einen Skandal auslöste. Jetzt sprach sie mit viel Wärme und gaz ohne Pathos mit 15 »Queer Kids« über Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung und Selbstausdruck. Sie alle wünschen sich eine Zukunft, in der jeder Mensch sich selbst sein kann.
Leon Engler
»Botanik des Wahnsinns«Wien, 2025: Im Kaffeehaus duftet der Melange, der Schmäh sitzt, und irgendwo erzählt ein junger Psychologe seine Geschichte. Oder eine, die seine sein könnte. In »Botanik des Wahnsinns« führt Leon Engler in die feinen Risse zwischen Normalität und Wahnsinn, zwischen Erbe und Eigenwille.
Wien, 2025: Im Kaffeehaus duftet der Melange, der Schmäh sitzt, und irgendwo erzählt ein junger Psychologe seine Geschichte. Oder eine, die seine sein könnte. In »Botanik des Wahnsinns« führt Leon Engler in die feinen Risse zwischen Normalität und Wahnsinn, zwischen Erbe und Eigenwille.
Es beginnt mit einer Zwangsräumung und endet in der Psychiatrie, nicht als Patient, sondern als Psychologe. Dazwischen entfaltet sich ein Leben voller Fragen: Was prägt uns? Wo hört Familie auf, wo fängt Krankheit an? Engler, selbst Psychologe, schreibt mit Klarheit, Witz und Empathie. Seine Sprache ist schlicht, der Humor schwarz, die Beobachtung präzise.
Er zeigt, dass psychische Erkrankungen kein Randphänomen sind, sondern Teil des Menschseins. Der Wahnsinn wird zum Spiegel unserer Sehnsucht nach Ordnung und Zugehörigkeit. Und irgendwo zwischen Klinikflur und Naschmarkt blitzt die Liebe auf, zart und ungewiss.
»Botanik des Wahnsinns« ist ein kluges, berührendes Debüt über Familie, Sprache und die Kunst, mit sich selbst im Reinen zu sein. Im GeistesblütenMag №25 spricht Leon Engler über das Erfinden der eigenen Vergangenheit, die Grenzen der Normalität und darüber, warum es gar nicht so verrückt ist, verrückt zu sein. Siri Hustvedt nennt seinen Roman „unwiderstehlich“. Sie hat recht.
»Vielen Dank für Ihren schönen Artikel im Geistesblüten Mag № 24
Es ist jedes Mal eine große Freude und ein bewegender Moment, wenn ein literarischer Text Grenzen überschreitet und in einer anderen Sprache mit solcher Begeisterung aufgenommen wird.«